Liebe Leserinnen,
liebe Leser!

Immer wieder suche ich Wasser auf. Das hängt mit Erlebnissen zusammen, die ich mit Wasser gemacht habe.
Ich denke an Spaziergänge. Tannenduft vermischt sich mit würziger Erde und ein bisschen Heidekraut. Mittendrin meine Eltern und wir vier Kinder. Wanderung durch den Harz. Wir Kinder laufen hierhin und dorthin, entdecken dies und das, und schließlich ist da dieser kleine Bach. Er schlängelt sich durch den Wald, umfließt hier einen Stein, dort einen Felsen oder Baum. Wir beschließen zu bleiben. Die Eltern ruhen aus, kühlen ihre Füße im Wasser, und wir Kinder bauen. Alles, was zur Verfügung steht, wird eingesetzt, dient dazu, das Wasser zu stauen, ein tiefes Becken entstehen zu lassen. Mit Moos dichten wir Ritzen ab, durch die das Wasser entweichen will. Hand in Hand geht das - und lässt auch meinen Vater nicht ruhen. Er fasst mit an, macht Vorschläge. Sonst hat er wenig Zeit, ist oft abgelenkt. Hier ist er ganz dabei. Bekommen wir Kinder uns kurz in die Haare, weil einander widersprechende Ansätze unvermittelbar im Raum stehen, so schlichtet er, hilft, einen gerechten Ausweg zu finden.

Immer, wenn ich einen Bach sehe, muss ich an die tiefe Zuneigung, die Liebe meines Vaters denken, wie er mit uns baute und für Gerechtigkeit im Kleinen sorgte. Der leibliche, irdische Vater als Bild für den himmlischen.

Eine andere Erinnerung taucht auf: Urlaub in Frankreich, in der Provence. Wanderung durch die Hitze. Die Kleidung klebt am Körper. Die Füße wollen nicht mehr so recht und dann wie eine Oase: die kleine Quelle. Eiskalt ist das Wasser. Es läuft über die Hände, die Arme, kühlt den Kopf, das Gesicht, den Puls. Ruhe kehrt ein. Kraft fließt nach.

So ist es auch mit der Gerechtigkeit. Man spürt erst, wie wichtig sie einem ist, wenn sie einem vorenthalten wird. Dann wird deutlich, wie sehr sie einem die Kraft zum Leben gibt, die Möglichkeit, zueinander zu finden, füreinander einzutreten. Wenn sie einem nicht selbstverständlich ist wie das kühlende, immer fließende Wasser. Wir drehen den Wasserhahn auf - und das Wasser fließt. Aber in besonderen Momenten erleben wir, was dieses Wasser, was ein sprudelnder Bach für uns bedeuten kann. Grundlage, Rahmen für unser Leben. In solchen Augeblicken können wir auch spüren, was Recht und Gerechtigkeit für uns und unser Zusammenleben bedeuten.

Gott sorgt sich um unser Leben. Das hat er uns durch Jesus Christus erkennen und wissen lassen. So sagt Christus: "Selig sind, die hungert und dürstet nach Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden." Gott sehnt sich danach, dass unser Lebenshunger, unser Lebensdurst gestillt werden. Durch gelingendes Leben. Recht und Gerechtigkeit sind dafür die Grundlagen, Lebensmittel wie Wasser notwendig für jeden Menschen. Mögen Sie im Urlaub und danach solche Momente gelingenden Lebens durch Gottes Hand erfahren.

P.S. Meine Frau fragt mich: "Und wie ist Gerechtigkeit zu verstehen, wie ist sie inhaltlich gefüllt?" Und ich antworte: "Das ist nicht notwendig auszuführen. Das weiß eigentlich jeder. Das Problem liegt eher in der Durchführung."

Oder ist Ihnen unbekannt, was Recht und Gerechtigkeit für Sie bedeuten?

Ihr Ulrich Pehle-Oesterreich


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