Licht und Schatten

Da genieße ich die Ruhe eines Urlaubstages oder die jubelnden Klänge eines Konzertes oder einen Ausflug; gehe ins Schwimmbad oder sitze bei einer Tasse Kaffee auf der Terrasse - und auf einmal zerstört ein schriller Misston die schöne Atmosphäre, die wohltuende Harmonie:
Eine Katastrophenmeldung im Radio, der vorbeirasende Notarztwagen mit seinem durchdringenden Martinshorn, der Anruf des Beerdigungsinstitutes. Es ist erschreckend und beängstigend: Wie oft wird die liebliche Idylle zerschlagen! Kaum freuen wir uns am strahlenden Sonnenschein - gleich folgen Gewitterwolken. Frieden hier, zur gleichen Zeit Krieg dort. Überfluss und Sattheit auf der einen Seite, bittere Armut und schmerzender Hunger auf der anderen Seite. Wo Licht - auch Schatten. Auf dieser Hälfte der Erde Tag, auf der anderen Nacht. Nichts ist vollkommen rein und gut - ich übrigens auch nicht! Nichts ist vollkommen verdorben und schlecht - ich übrigens auch nicht! Ich weiß das, weil Gott offensichtlich viel an mir findet; jedenfalls sieht er mich als wertvoll an - und da sollte ich an Gott irre werden? Da sollte ich noch zweifeln an dem guten Sinn meines Lebens?

Alle Menschen sind Gott wertvoll und lieb, auch die, die besonderen Grund zum Zweifeln an seiner Liebe haben. Die Menschen zum Beispiel, die heute irgendwo in unserer Welt gefoltert werden. Wie mag ihnen zumute sein!? Müssen sie nicht irre werden an der Liebe und Gerechtigkeit Gottes? An der Menschen Gerechtigkeit allemal! Sie werden grausam gequält mit Elektroschocks, mit Marterinstrumenten, mit Isolationshaft - während ich auf meiner Terrasse sitze, den Wolken nachträume und die Vögel singen höre.

Es tut uns manchmal gut, aus unseren Träumen aufgeschreckt zu werden. Vielleicht, dass wir uns öffnen etwas zu tun. Dazu beitragen, dass immer weniger Dunkelheit in unserer Welt herrscht; dass immer weniger Menschen an der Liebe Gottes irre werden; dass immer mehr Menschen Gott vertrauen und sich ihres Lebens ungetrübt und unbefangen freuen können.

Vielleicht können wir dazu mithelfen - möglicherweise so, wie es ai, amnesty international, tut. ai hilft Menschen, die um ihres Glaubens oder um ihrer politischen Überzeugung willen verhaftet, oft grausam gefoltert oder gar umgebracht werden sollen. ai ruft Menschen zur Fürbitte auf, bittet Menschen, Briefe an die Regierungen zu schreiben, die ungerecht behandelten Gefangenen frei zu geben. Das Büro von ai liegt im Zentrum der Lister Kirchengemeinden in der Fraunhofer Straße. Monatlich ein Brief - auch so können wir dazu beitragen, dass weniger Menschen an der Liebe Gottes irre werden; dass mehr Menschen die Liebe Gottes konkret erleben.

Es grüßt Sie herzlich:
H.F.Reymann



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