Liebe Leserin, lieber Leser!

Vielleicht stutzen Sie ja jetzt:
Jesus, der glücklichste Mensch? Ist das nicht eher der, der so viel gelitten hat?

"Geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus": Unser Glaubensbekenntnis setzt zu solch einem schnellen Sprung an. Der Jesus der Seligpreisungen kommt da nicht extra vor. Dafür haben wir die Evangelien, als "frohe Botschaften", als Zeuginnen auch der Auferstehung.
Wir dürfen sie als eine "Anleitung zum Glücklich-Sein" lesen.
50 Tage nach Ostern feiern wir Pfingsten. Ob wir diese "österliche Zeit" für uns als Hinweg zur Freude nutzen können? Ich glaube, dass wir als Christinnen und Christen neben den "Kreuzwegen" in der Passionszeit auch unsere "Auferstehungswege" in der Zeit nach Ostern brauchen. Zu Pfingsten dürfen wir sie dann voller Freude feiern!

"Auferstehungswege" beginnen - so wie unsere Osternacht - immer noch im Dunkeln, im Ungewissen:
Wie fühle ich mich so in jemanden ein, dass er sich langsam wieder traut, aus der gebückten und gebeugten Haltung aufzutauchen? "Kopf hoch!" zu sagen ist dabei gut gemeint ... doch alles andere als gut, weil es meinem Gegenüber keine Freiheit für den eigenen Weg gönnt! Eher ein Gymnastikangebot als ein "Auferstehungsweg" ...
Wie kann ich eine so berühren, dass sie es wieder wagt, aufzusehen, oder gar wieder aufzustehen aus dem Hocken in der Tiefe, in die sie durch Trauer oder Verzweiflung gerutscht ist?

Jetzt im April 2003 ist die Theologin Dorothee Sölle im Alter von 73 Jahren gestorben. Angesichts ihres Todes wird mir einiges aus ihrem Lebenswerk sehr gegenwärtig. Mir ist sie eine der wenigen "Mütter im Glauben". Für mich hat sie die Fähigkeit entwickelt, mit Worten zu berühren, auch, mit Worten aufzurichten. Sie schreibt über Jesus:
"[...] Phantasie, die aus Glück geboren wird, scheint mir eine genauere Beschreibung seines Lebens. Sogar sein Tod wäre missdeutet als das tragische Scheitern eines Glücklosen, er wäre zu kurz verstanden, wenn nicht die Möglichkeit der Auferstehung in Jesus selber festgehalten würde! Auferstehung als die weitergehende Wahrheit der Sache Jesu ist aber im Tode dieses Menschen gegenwärtig; er hat den Satz 'ich bin das Leben' auch im Sterben nicht zurückgenommen."

Wer von Ihnen in der letzten Zeit Trauerwege oder Kreuzwege zu gehen hatte, möge in diesen Tagen eine Ahnung von einem "Auferstehungsweg" für sich finden. Manchmal wird uns ja von außen ein Funken der Begeisterung geschenkt, mit dem wir wieder neu und glücklich ins Leben gehen können. Mögen Sie zu Pfingsten von solch einem Funken der Begeisterung "angesteckt" werden!

Herzlich!
Ihre Pastorin
Susanne Behnke


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