Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Beim Betrachten des Bildes werden in mir Erinnerungen eines Sonnenuntergangs am Meer wach. Ich höre noch einmal das leise Rauschen der Wellen, ich rieche die Frische des Meeres, ich sehe das faszinierende Farbenspiel des rot leuchtenden Sonnenballs am Himmel und spüre die Wärme auf meiner Haut von der Sonne, die mich den Tag über beschienen hat.

Wenn Sie Anfang August diesen Gemeindebrief in den Händen halten, liegen solche oder ähnliche Erfahrungen vielleicht gerade hinter Ihnen, oder Sie freuen sich noch zum Ende der Sommerferien auf den Urlaub. Durch das Zur-Ruhe-Kommen werden die Sinne wacher. Die Hektik des Alltags läßt viele Menschen oft nur noch Ausschnitte des Umfeldes und der Natur wahrnehmen, weil ein Termin den anderen jagt. In den Ferien gehört die Zeit mir und will mich reich machen. Und es ist eine Chance, vieles neu zu entdecken, über das sich sonst der Staub des Alltags gelegt hat. Wenn ich diese Bilder in mir aufnehme und die Umwelt erspüre, werde ich offener für das Nachdenken über den, der uns die schönen Landschaften, die Natur, das Meer, die Sonne und alles schuf. Der Monatsspruch für August nimmt uns hinein: "Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des Herrn!" Der Psalm wurde ursprünglich in der Liturgie der großen Feste in Israel gesungen. Über Raum und Zeit, alle menschlichen Grenzen überschreitend, soll der Name des Herrn gelobt werden. Der gelobt wird, ist der Schöpfer des Ganzen. Er hält die Welt in seinen Händen. Gott wird gepriesen als erhaben und mächtig.

Ich erlebe aber neben allen guten Erinnerungen auch schwierige Situationen. Reicht der Blick dann auch auf die untergehende Sonne? Es ist beides zu sehen: Gott ist zu loben über Raum und Zeit. Gott ist aber auch offen für alle Bitten und Anliegen, die mich bedrücken. Sich erholen heißt auch, wieder offen werden für das, was auf mich zukommt. Gott stärkt mich durch solche Erfahrungen.

Ich sehe noch einmal über das Wasser auf die untergehende Sonne. "Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des Herrn!" Ich nehme das warme und helle Bild in mir auf und denke auch an jene Bilder, die die Sonne haben verdunkeln lassen, besonders für Hilflose und Schwache. Oft haben wir den Monatsspruch "Vom Aufgang der Sonne..." schon im Gottesdienst gesungen. Ich höre in diesen Kanon hinein und singe ihn jetzt anders und neu.

Es grüßt Sie herzlich
Ihre Pastorin Elke Marx

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