In ihren Anfängen war die Reformation eine spontane Bewegung, die die Kirche erneuern, reformieren wollte und viele Menschen standen ganz spontan hinter dem reformatorischen Anliegen: Bauern, Bürger, viele Adlige und auch große Teile der Geistlichen.

Doch schon bald trat an die Stelle der Spontaneität das Bemühen, eine reformatorische Lehre zu entwickeln. Kirchliche Lehre mag auch gut und nützlich sein: Menschen sehen, dass sie übereinstimmen; sie können sich gegenseitig vergewissern und entwickeln durch eine gemeinsame kirchliche Lehre das Gefühl zusammenzugehören. All das mag kirchliche Lehre bewirken.

Aber kirchliche Lehre zieht auch Grenzen. Andersdenkende werden ausgegrenzt und der Schritt ist nicht weit, dass Andersdenkende oder -glaubende diskriminiert oder gar bekämpft werden. Und zum zusätzlichen Unglück geschieht es, dass sich Konfessionen abschotten. So ist es geschehen: Konfessionen stehen sich wie Blöcke gegenüber. Da wird um Lehrsätze gestritten, die wenige verstehen und kaum einen interessieren.
So wird kirchliche Lehre menschenfeindlich.

Glücklicherweise sind die Zeiten vorbei, in denen man durch kirchliche Lehre Menschen zur Räson bringen konnte - glücklicherweise!

Heute kommt es darauf an, dass wir das Einfache, das Sinnvolle, das Gute tun: Aufeinander zugehen und gegenseitiges Verstehen üben - auch wenn die Grenzen von kirchlicher Lehre dagegen stehen.

Der protestantische Pfarrer Frère Roger war so einer, der das Einfache, das Sinnvolle, das Gute getan hat. Er hat sich durch kirchliche Lehren nicht eingrenzen lassen; er hat reformatorisch, erneuernd gewirkt und: Er war ein Segen für Viele. Er hat Jesus ernst genommen, der Grenzen überwunden und sich nicht darum gekümmert hat, wes Glaubens die Menschen waren, die ihm begegnet sind.

Hns-Friedrich Reymann


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