Dieses schöne Zitat stammt von Johann Hinrich Wichern, dem Vater der Diakonie. In jedem Jahr gibt es viele Gedenktage, persönliche oder Jubiläumsgedenktage von Geburts- und Sterbedaten bedeutender Persönlichkeiten. Der bekannteste Anlass ist sicher in diesem Jahr das viel zitierte „Mozartjahr“.

Aber auch Johann Hinrich Wichern lässt mit seinem 125. Todestag einen Blick auf sich lenken. Am 21. April 1808 ist er in Hamburg geboren. Die frühe Berührung mit der Hamburger Erweckungsbewegung ermöglichte dem aus einer verarmten Familie stammenden Sohn eines Notars den Besuch des Johanneums, einer theologischen Ausbildungsstätte. Das Studium der Theologie schloss sich an. Er lernte dann als Sonntagsschullehrer die Not im Armenviertel der Hamburger Vorstadt St. Georg kennen und wurde immer mehr von der Wucht des Großstadtelends in Hamburg getroffen. So gründete er 1833 das „Rauhe Haus" in Hamburg-Horn. Es sollte besonders Kindern aus ärmsten Familien helfen. Ehe man zu solchen Leuten von Gott und Moral reden könne, müsse sich die Christengemeinde um ihre elementaren Bedürfnisse kümmern, verlangte Wichern. Schnell entwickelte sich das „Rauhe Haus" zum Zentrum der Erziehungsarbeit in ganz Norddeutschland. Den an Leib und Seele verkrüppelten Kindern und Jugendlichen, die Wichern zu sich nahm (unter ihnen ein Elfjähriger, der bei der Polizei exakt 92 Diebstähle gestanden hatte), hielt er keine Predigten und drohte keine Strafen an, er eröffnete ihnen einfach eine neue Chance. Wichern: „Hier ist keine Mauer, kein Graben, kein Riegel; nur mit einer schweren Kette binden wir dich hier, du magst wollen oder nicht; du magst sie zerreißen, wenn du kannst: Diese heißt Liebe, und ihr Maß ist die Geduld.“
Entgeistert stellten die Kritiker fest, dass sein Rezept funktionierte, und bald genoss die Ausbildung im „Rauhen Haus“ einen sehr guten Ruf.

Auf dem Wittenberger Kirchentag 1848 fasste der Theologe seine Gedanken in einer flammenden Stegreifrede zusammen, und seitdem tagte der Zentralausschuss der Inneren Mission, der heutigen Keimzelle alles diakonischen Arbeitens.

1858 gründete Wichern das Ev. Johannesstift in Berlin. Johann Hinrich Wichern ist in seinen Schriften und Reden zweifellos von den akuten Fragestellungen seiner Umwelt ausgegangen. Letztlich war aber sein Denken und Handeln von seiner Theologie her bestimmt. Es ist uns auch ein Glaubenszeugnis.
Wicherns Werk in der Arbeit der Inneren Mission und der christlich-sozialen Bewegung lebt bis heute fort. Nach einem Schlaganfall starb er am 7. April 1881, vor 125 Jahren, in Hamburg.

Gedenktage lassen unsere Gedanken zurückgehen. Für mich steckt darin auch immer ein großer Dank. Menschen, die im Glauben ihren Weg gingen und uns das biblische Zeugnis in ihre jeweilige Zeit umsetzten, machen mir immer viel Hoffnung auch für mein Leben, um zu hören, was Gott mir heute sagen möchte. Dafür bin ich sehr dankbar. Insofern sind solche Gedenktage für mich nicht das Repetieren von Geschichtsdaten, sondern eine große Ermutigung, aus der Betrachtung dieser Biographien auch Impulse für meinen Lebensweg durch diese Welt, aber besonders für meinen Lebensweg mit Gott durch diese Welt zu bekommen.

Ihre Pastorin Elke Marx

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