Ob ich es will oder nicht –
manches Mal muss ich an dich denken, Gott:
Wenn ich auf meinem Balkon stehe und in die Straßen sehe;
wenn ich durch Weinberge gehe, hoch über dem Main;
wenn ich mit Freunden auf einer Veranda sitze oder abends auf Deck eines Bootes;
wenn ich mit dem Fahrrad durch weites Land fahre –
ich kann es mit dem Verstand nicht ergründen,
aber die Welt spricht mir manchmal deutlich deine Sprache:
Urplötzlich verwandelt ein Sonnenstrahl
das graue Land in ein Paradies,
und hellt verschlossene Menschengesichter auf.
Mit wärmender, heller Kraft
scheint die Sonne auf Mensch und Tier
und ruft zugleich den Schatten hervor,
der lindernde Kühle verschafft
oder Seelen betrübt.
So bist du, Gott,
wenn ich dich manchmal verspüre:
Du veränderst nicht magisch die Wirklichkeit,
aber du lässt mich die Welt in einem neuen Licht sehen.
Du bist ein guter, ein schwieriger und auch mühsamer Freund –
und doch: Ohne dich möchte ich nicht leben!
(nach Psalm 19)

Mit herzlichen Grüßen
Hans-Friedrich Reymann


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