Es mag naiv klingen: Für mich gehört zum Erntedankfest das Danken. Danken dafür, dass Gott so ist wie er ist und gibt, was er gibt. Danken laut sagend, im Gebet, in Wort, in Tat, im Erntedankschmuck und in einer besonderen Fröhlichkeit.

Nun mag angesichts der ganzjährigen Obstangebote im Supermarkt keine rechte Freude aufkommen über einen roten Apfel. Auch Getreideähren im Altarraum hinterlassen bei mir ambivalente Gefühle, wenn ich weiß, dass inzwischen Getreide als Brennstoff zum Heizen verwendet wird.
Das Lamentieren über verlorene Wertschätzung – „Früher war alles besser“ – führt aber nicht weiter.

Wofür noch danken? Bei der Fußball-WM habe ich ein Transparent gesehen mit den Worten: „Ein dickes DANKE“. Auch im Gespräch mit Menschen erlebe ich oft tiefe Dankbarkeit: nach überstandener Krankheit, nach einer Krise, bei der Taufe eines Kindes.
Das Erntedankfest Anfang Oktober ist ein Anlass, das Danken neu zu lernen.
Danken für Splitter gelingenden Lebens: Was ist mir Frucht gewesen, hat mir Freude und Zufriedenheit be-schert, hat meine Seele genährt, dass sie springen und singen wollte? Jede/r kennt solche Momente des Empfangens. Ich kann sie nicht greifen, nicht herbeizwingen. Sie legen sich mir in die Hände. Empfangen ist aber nicht einfangen. Ich kann den Moment nicht festhalten, sondern ihn vielmehr recht gebrauchen, ihn teilen und so vermehren. Gott stillt mehr als unseren Hunger. Was er uns gibt, können wir teilen: Das Essen, die Freude, das Leben.

Antje Marklein

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