Zehn Angebote zum Leben

Während der Konfirmandenfreizeit beschäftigten wir uns mit den zehn Geboten. Ausgangspunkt waren Regeln, die den Jugendlichen vertraut waren aus ihrer Familie, der Schule oder vom Sport. Das Ergebnis: Regeln helfen, unser gemeinsames Leben zu ordnen.

Im nächsten Schritt wurden goldene Regeln aus verschiedenen Religionen ins Spiel gebracht und miteinander verglichen. Hierbei stellten wir fest, dass alle diese Regeln das gleiche Ziel verfolgen, die Freiheit des Einzelnen zu schützen, ohne die der Anderen zu verletzen.
Mit dem Stichwort „Freiheit“ im Hinterkopf erzählte ich von Mose und wie er das Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten herausführte in die Freiheit und dass das Volk aufgrund der ungewohnten Freiheit ziemlich bald zu murren begann. Sie sehnten sich zurück. Dort in Ägypten waren sie zwar geknechtet, aber ihr Leben war geregelt und in Ordnung. Das bringt Mose vor Gott und erhält als Antwort die zehn Gebote, Gottes Angebote zum Leben.
Um diesen Angebotscharakter hervorzuheben, diskutierten wir die zehn Gebote im Gegenüber zu zehn Übertragungen mit der Überschrift „Ich bin der Gott, der zu dir hält: meine zehn Angebote für dein Leben“.

Doch genau an dieser Stelle weigerten sich die Konfirmandinnen und Konfirmanden zu folgen. Sie verstanden die Gebote als Gesetze, die Freiheit beschneiden. Sie konnten nicht sehen, dass ihnen gerade in diesen Angeboten Spielraum und damit Freiheit zu leben eingeräumt wird. Einleuchtender erschienen ihnen Übertragungen der zehn Gebote als Segenssätze z.B. „Gut sind dran, die sich zu Gott halten und sich auf ihn verlassen“.

Abschließend wurden eigene zehn Gebote formuliert, die ihnen als Wegweiser für die Zukunft wichtig sind.
Bis heute beschäftigt mich, warum die frohe Botschaft der Freiheit in den zehn Geboten von den Jugendlichen nicht gesehen werden konnte. Vielleicht waren sie damit überfordert, dass man Freiheit nicht nur verstehen kann als Freiheit von etwas, sondern auch als Freiheit zu etwas. Dass ich mich für etwas entscheiden kann, auch wenn mich das dann in meiner Freiheit erst einmal einschränkt. In einer Freundschaft ist das so und ganz klar, wenn es um Liebe geht. Schon schwieriger fällt es, wenn es sich um den Glauben dreht.

Aber warum eigentlich? Das ist doch auch eine Liebesgeschichte, Gottes Liebesgeschichte mit mir, die mir nicht nur Liebe, sondern Freiheit zum Leben schenken will.

Ulrich Pehle-Oesterreich

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