Die vor Traurigkeit schweren Augenlider; der Mund, verschlossen so, als könne nie mehr ein Lächeln ihn umspielen; über allem leicht hingewebt die Spinnenfäden – für mich ein Foto, auf dem Vergänglichkeit und Trauer gleichermaßen abgebildet sind.

Ich habe den Kopf dieser jungen Frau auf dem Friedhof Ricoletta in Buenos Aires fotografiert.

Merkwürdig berührt bin ich über diesen Friedhof gegangen, blieb immer wieder stehen vor Skulpturen und Figurengruppen und ließ mich gefangen nehmen von der Trauer und Vergänglichkeit, die sie verströmten.

Und doch ist dieser Friedhof auch einzigartig schön. Er gilt als einer der schönsten überhaupt. Durch Trauer und Vergänglichkeit hindurch spiegelt sich auf dem Gesicht der jungen Frau vollkommene Schönheit wider. So, als würde dadurch der Glaube von Christen abgebildet: Die Ahnung, dass nach Vergehen und Trauern das ewige Leben vollkommen und schön sein wird.

Man muss nicht über den Friedhof Ricoletta gehen. Die Friedhöfe in Engesohde oder auf dem Lindener Berg können ähnliche Empfindungen wecken.

Ihr Hans-Friedrich Reymann