„Grüß' Gott“, das ist der landesübliche Gruß, der einem schnell geläufig wird, wenn man in Bayern oder Österreich Urlaub macht. Der Gruß geht einem vielleicht nicht selbst über die norddeutsche Zunge, aber man spürt: Das passt hierher, das gehört hierher, das hat Charme, da steckt noch mehr drin. „Grüß' Gott“ - ein Gruß mit „Mehr-Wert“ als er sich im nüchternen „Guten Tag“ mitteilt. „Grüß' Gott“ gibt in verkürzter Form eine alte Segensformel weiter - „Gott zum Gruße“ heißt das in altehrwürdigem Deutsch, was nichts anderes bedeutet als „Gott segne dich“.

„Grüß' Gott“ ist mehr als mundartliche Sprachfärbung. Der Gruß hat seine Wurzeln in der christlichen Religion, genauer: in der katholischen Frömmigkeitspraxis, die mit Gesten, Zeichen und symbolischen Handlungen den Glauben im Alltag mit Leben gefüllt hat. Der Gruß ist ein Relikt aus der Zeit, in der man von der Wirkung von Zeichen und Symbolen überzeugt war, daran glaubte und sie selbstverständlich im Alltag vollzog.

Die alte Segensformel weist hin auf ein Wort aus dem 1. Petrusbrief: „Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, dass ihr den Segen ererbt.“ Der Vers veranschaulicht mit einfachen Worten, dass wir den Segen nicht selber „machen“ müssen und auch gar nicht können - Gottes Segen ist bereits da und wir haben teil an ihm, haben ihn „ererbt“ als Kinder Gottes im Glauben an den lebendigen Christus. Und in diesem Geist sollen wir den Segen weitergeben.

Zum Wesen des Segens gehört, dass er nicht weniger wird, wenn wir ihn teilen, indem wir ihn weitergeben. Zum Wesen des Segens gehört, dass Gott ausnahmslos alle mit seinem Schutz begleiten und berühren möchte. Unser Miteinander soll daher nicht geleitet sein vom ach so menschlichen Gesetz „wie du mir, so ich dir“ oder alttestamentlich gesprochen „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, sondern vom Geist des Segens.

„Grüß' Gott“, die Begrüßung gibt die Richtung an: sich zu begegnen unter Gottes Schutz und Geleit - das hat „Mehr-Wert“.
Mit herzlichen Grüßen
Pastorin Monika Fahlbusch-Höhne

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