„Calvin-Jahr“-2009

Wenn wir in der Kirchengeschichte an die Reformation denken, ist diese mit dem Namen Martin Luthers verbunden. Aber es gab auch andere bedeutende Reformatoren. Einer von ihnen ist Johannes Calvin, dessen 500. Geburtstag wir in diesen Tagen begehen und dessen Theologie dieses Jubiläumsjahr ins Zentrum rückt.

Am 10. Juli 1509 wurde Johannes Calvin als zweiter von vier Söhnen in Noyon in Frankreich geboren. Sein Vater hatte sich aus bescheidenen Verhältnissen zum apostolischen Notar und Generalprokurator hinaufgearbeitet. Seine Mutter hatte Johannes schon früh zu kirchlichen Frömmigkeitsübungen angehalten. Er bekam eine gute Ausbildung, studierte von 1523-1531 Rechtswissenschaften und kam nach Basel, wo sein Weg als Reformator begann.

Gegen die Irrwege der damaligen römisch-katholischen Kirche wollte er die Christen zurück zur Wurzel, zum unverfälschten Evangelium führen. In einem Katechismus („Institutio“) legte Calvin seine Lehre dar; in tausenden Predigten erklärte er sie und in unzähligen Briefen spendete er Menschen Seelentrost.

In Genf versuchte Calvin die Kirche so zu organisieren, dass sie glaubwürdig Zeugnis der „frohen Botschaft“ ablegen konnte. Dabei führte er eine für die damalige Zeit bemerkenswerte Mitbestimmung der Gläubigen ein, forderte jedoch auch, dass Christen ihren Lebenswandel bestimmten Regeln unterwerfen müssten. Rasch wurde ihm klar, dass die Reformation nur dann erfolgreich werden kann, wenn sie nicht nur die Herzen, sondern auch die Köpfe der Menschen erreicht. Bildungsarbeit tat not. Also gründete er in Genf ein Seminar für Theologen. Sie trugen die neue Lehre in viele europäische Länder.

Auf Calvin geht die evangelisch-reformierte Kirche zurück. Theologisch ist ihm die „Prädestinationslehre“ sehr wichtig, die Frage, ob für Menschen ewiges Leben oder Verdammnis vorherbestimmt sind. Das Abendmahl versteht er anders als Luther – mehr als ein Erinnerungsmahl. Bildverehrung und Bilder lehnt er radikal ab. Im Zentrum des Gottesdienstes steht die Predigt. Auf seinem Sterbebett im Frühjahr 1564 bat er seine Mitstreiter: „Fasst Mut und bleibt stark, denn Gott wird sich dieser Kirche bedienen und sie am Leben erhalten.“

Er hatte Recht. Obwohl er nie daran gedacht hatte, eine eigene Konfession zu gründen, trägt die „Reformierte Kirche“ heute sein Anliegen weiter. Mehr als 80 Millionen reformierte ChristInnen leben in dem festen Glauben: Gott allein gehört die Ehre. Möge uns das Calvin-Jahr anregen, neu über seine theologischen Anstöße nachzudenken.

Ihre Pastorin Elke Marx

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