Die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern ist eine besondere Zeit. Diese Erfahrung machten auch die Mitarbeiterinnen und Kinder in der Kindertagesstätte vor einigen Jahren.
Auf die Frage, wie wir den Kindern die Passionszeit näher bringen können, antworteten die Erzieherinnen: „Wir fragen die Kinder danach, was ihnen wichtig bzw. unwichtig erscheint.“
Die Großen, die schlauen Schulkinder stellten sich dieser Aufgabe. Schnell war klar: Geschichten von Jesus gehören dazu, und irgendwie sollte man sich auf Ostern auch vorbereiten. Einige hatten davon gehört, dass die Erwachsenen, ihre Eltern, manchmal in dieser Zeit auf etwas verzichten. Das wollten wir dann auch.
Worauf wollt ihr denn verzichten?
Auf Nachtisch, war ein Vorschlag, auf das Malen ein an- derer-schließlich einigten sie sich darauf: Wir verzichten 14 Tage auf Spielzeug.

Während der ersten Tage war das kein Problem, doch nach und nach häuften sich die Klagen der Kinder, und dann auch die der Eltern, weil sich ihre Kinder bei ihnen beschwerten. Zum einen waren 14 Tage gewaltig lang, zum anderen fragten sich nun die Eltern, warum dieser Spielzeugentzug eigentlich stattfand - und so entstand eine lebhafte Debatte zwischen Kindern, Eltern und Erzieherinnen über den Sinn oder Unsinn einer derartigen Aktion in Verbindung mit der Passions- zeit. Dennoch haben die Kinder die 14 Tage „ohne“ durchgehalten.

In der diesjährigen Passionsaktion „7 Wochen ohne“ geht es in eine ganz andere Richtung. Nicht Verzicht oder Abstandhalten von etwas, sondern Hinwendung ist das erklärte Ziel.

Unter dem Motto 7 Wochen ohne Scheu können ganz neue Erfahrungen mit dieser Vorbereitungszeit auf Ostern hin gemacht werden. Warum nicht das längst fällige Streitgespräch ein- gehen und so eine Beziehung auf neue Beine stellen?
Warum nicht einmal die nachbarschaftlichen Kontakte pflegen und eine kranke Nachbarin besuchen? Was ist mit der längst fälligen Liebeserklärung, zu der man sich immer nicht hat durchringen können - wäre jetzt nicht ein guter Zeitpunkt? Ohne Scheu Bündnisse aushandeln, Überraschungsbesuche machen, eingeschlafene Kontakte aufwecken, neue Freundschaften suchen. Einmal ganz bewusst Nähe eingehen und die eigenen Grenzen wie die der anderen ausloten.
Das haben schon die Kinder in der Kindertagesstätte für sich, ihre Eltern und Erzieherinnen gemacht. Warum nicht auch wir?

7 Wochen ohne Scheu

Ulrich Pehle-Oesterreich

Seitenanfang