Gottesgeschenk

Sie haben nichts dafür getan: die kleine Lena und der kleine Kjell. Heute sollen sie in der Kirche getauft wer-den. Alles ist für sie vorbereitet. An die Taufe denken die beiden überhaupt nicht – Lena mit ihren drei und Kjell mit seinen acht Monaten. Dafür die Eltern umso mehr. Lenas Eltern war gleich klar, dass ihr Kind getauft würde. Ihre Freude über diesen strampelnden und schrei-enden winzigen Menschen wollten sie feiern, Gott dafür danken und ihr Kind in ihre Gemeinde aufnehmen.

Kjells Eltern waren unsicher. Aber je öfter sie dieses zerbrechliche Wesen im Arm hielten, desto klarer wurde ihnen: ‚Unsere Macht, Kjell zu schützen, hat Grenzen.’ Mit der Taufe wollen sie ihr Kind Gott anvertrauen.

Alles ist vorbereitet für die Taufe.

Das Taufbecken blitzt. – Jemand hat es extra blank geputzt. Rund ist es, ohne Ende. Ohne Ende – wie Gottes Treue. Wer getauft ist, kann sich auf Gott verlassen. Gott sagt: „Fürchte dich nicht. Denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein.“ (Jes. 43,1). Dazu steht Gott. Für immer.

Bald wird jemand Wasser in das Taufbecken gießen. Mit dem Wasser werden Lena und Kjell getauft – im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Sie werden mit Wasser übergossen. Das heißt: Sie gehen einen Weg zusammen mit Jesus Christus: in den Tod und durch den Tod ins Leben. In ein Leben, in dem sie nichts von Gott trennen kann.

Hinter dem Taufbecken brennt die Osterkerze. – Jemand hat sie für die Tauffeier schon angezündet. Sie wird jedes Jahr zu Ostern das erste Mal entzündet, wenn wir feiern, dass Gott die Macht des Todes überwunden hat. Lena und Kjell werden je eine Taufkerze bekommen. Sie wird an der Osterkerze angezündet. Denn Christus spricht: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern das Licht des Lebens haben.“ (Joh. 8,12). Hinten auf der Empore steht die Orgel. – Auf ihr begleitet die Organistin im Taufgottesdienst die Lieder. Die Taufgemeinde singt Lieder, mit denen Menschen vor ihnen ihren Glauben in Worte und Töne gefasst haben. Manchen Worten stimmen sie zu; bei manchen haben sie ihre Anfragen; bei manchen wünschen sie sich, dass sie es auch so glauben können.

Über dem Taufbecken wölbt sich die Kirche. – Generationen von Christinnen und Christen haben sie gebaut und weitergebaut. Hier werden Lena und Kjell durch die Taufe zu Kindern Gottes. Einander werden sie damit Schwester und Bruder. Sie werden Teil der Kirche Jesu Christi, die die Christen und Christinnen aller Zeiten, aller Länder und aller Konfessionen miteinander verbindet. Sie werden Teil einer weltumspannenden Familie.

Die Taufe: Gottes Geschenk an uns; von der Kirche weitergereicht durch die Zeiten. Lena und Kjell haben nichts dafür getan. Aber sie können viel daraus machen.

Pastor Dirk Stelter

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