„Karl Barth –
Theologe aus Leidenschaft“

In meinem Kalender stehen viele Geburtstage von Menschen, die ich nie vergessen darf zu beglückwünschen. Aber auch andere Geburtstage finden sich dort, die ich bedenke. Da sind Menschen, die mir mal auf meinem Weg begegnet sind, mit denen ich bestimmte Erlebnisse oder Stationen teile, die ich dann aus dem Auge verloren habe. Anlässlich des Geburtstages erinnere ich mich einfach an die gemeinsamen biographischen Berührungspunkte, und das ist gut. In diesem Sinne verstehe ich auch, wenn wir uns an Jubiläumsgeburtstage berühmter Persönlichkeiten erinnern. Karl Barth ist für mich der Theologe, dessen Gedanken mich seit meinem Studium mit am intensivsten prägten. Am 10. Mai dieses Jahresgedachten wir des 125. Geburtstages dieses bedeutenden evangelisch-reformierten schweizerischen Theologen.

Der als Kirchenvater des 20.Jahrhunderts geltende Dogmatikprofessor war als Gegner des Nationalsozialismus im Kirchenkampf Mitbegründer der „Bekennenden Kirche“. Karl Barth griff öffentlich in die Auseinandersetzungen des Kirchenkampfes ein. Seine Schrift „Theologische Existenz heute“ erlebte innerhalb von zwei Wochen vier Auflagen. Auf der 1. Bekenntnis-Synode in Wuppertal-Barmen kam es zur Verabschiedung der „Barmer Theologischen Erklärung“, deren Text bis auf einen Zusatz aus der Feder Barths stammt. Diese Erklärung gilt als wichtigste kirchliche Antwort auf die Anfragen an den Nationalsozialismus von Seiten der Bekennenden Kirche. All diese die nationalsozialistische Politik hinterfragenden tief theologischen Schriften prägten Karl Barth und er prägte sie.

Daneben war er in seinem Lebenswerk von der Frage der Offenbarung Gottes durchdrungen, einer bis heute aktuellen Frage, wie wir Menschen Gott und sein Wirken erkennen können. Hauptziel seiner Arbeit war, Theologie für die Kirche fruchtbar zu machen, im Zentrum stand ihm dabei die Auferstehung.

All seine Studien und Gedanken münden in das monumentale Werk der „Kirchlichen Dogmatik“, die er 1931 begann zu verfassen und dessen letzter Band 1967 erschien. Karl Barth regte in seinen Äußerungen an, Themen – wie eben die Frage der Offenbarung Gottes – zu bedenken, die einen das ganze Leben begleiten können. So lohnt es sich allemal, sein Lebenswerk zu bedenken.
Nach dem 2. Weltkrieg war er auch Mitbegründer des ökumenischen Rates der Kirchen.
Mit Karl Barths Tod am 10.12.1968 verlor die Kirche einen der bedeutendsten Theologen der neueren Geschichte. Wie gut, wenn uns sein125.Geburtstagsjubiläum ermutigt, an einen Theologen aus Leidenschaft zu erinnern und seine theologischen Fragen neu in den Mittelpunkt zu stellen. Wir können von seinen tiefen Gedanken und der Erinnerung an sein Leben immer wieder nur beschenkt werden.

Ihre und eure Pastorin Elke Marx

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