Nähme ich Flügel der Morgenröte

Wohin soll ich gehen vor deinem Geist,
und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?
Führe ich gen Himmel, so bist du da;

Bettete ich mich bei den Toten,
siehe, so bist du auch da.
Nähme ich Flügel der Morgenröte
und bliebe am äußersten Meer,
so würde auch dort deine Hand mich führen
und deine Rechte mich halten.

In diesen Wochen sind viele Menschen unterwegs. Wandern im Deister, den Schrebergarten genießen, Spazierengehen in der Eilenriede, Fahrradfahren um Hannover herum, Urlaub in der Nähe oder in der Ferne. Das Sommerwetter treibt uns aus der Wohnung in die Natur, in die Welt.
Schön, wenn uns dabei das bekannte Psalmwort aus Psalm 139 begleiten kann:

Oft ist dieses Psalmwort negativ verstanden worden: so als wolle Gott uns Menschen überall nachgehen, um uns im Blick oder besser unter Kontrolle zu haben. Als ob Gott uns keinen Moment aus den Augen ließe wie ein argwöhnischer Partner seine Partnerin.

Ich verstehe diese Sätze anders: Mir erschließen sie sich als wunderbar tröstliche Zusage von Gottes liebevoller, umsorgender Nähe. Wohin ich auch gehe, wie weit ich mich von meinen Wurzeln, meiner inneren und äußeren Heimat entfernen mag, Gott folgt mir, umgibt mich, birgt mich, hält mich. Ja selbst wenn ich mich von ihm entfernte, wenn mir mein Glaube eine Zeitlang fremd und zweifelhaft vorkäme, selbst dann würde Gott mich noch halten.

Welch intensive, ja farbige Bilder tragen die Worte dieses Psalms in sich. Ich sehe einen weißen Wolkenteppich, über dem ich im Flugzeug auf einer Urlaubsreise schwebe; ich rieche die Strandluft am ‚äußersten Meer‘, wo sich der breite Horizont vor mir auftut. Ja selbst das ‚Gebettet sein bei den Toten‘ verliert seine bedrohliche Seite, wenn Gottes Hand nah ist.

So wünsche ich Ihnen farbenfrohe Erfahrungen der Nähe Gottes in diesem Sommer, wo auch immer Sie ihm begegnen!

Ihre Pastorin Antje Marklein

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