Warten

Warten

Warten fällt wohl niemandem leicht. Viele Menschen sind ungeduldig in unserer schnelllebigen Zeit, gedanklich meist schon weiter als es der tatsächliche Moment hergibt. Und dann gibt es aber auch Zeiten, da können Menschen ohne Zeitgefühl stundenlang in etwas vertieft sein, ein Spiel, ein schöner Spaziergang, ein intensives Gespräch, ein Sport.

Geduld will gelernt sein. Kinder auf einer Urlaubsreise abzulenken bis zum Ziel ist das eine; eine schwere Krankheit geduldig durchleiden ist etwas anderes. Um schwierige Lebenszeiten durchzustehen, kann man sich Strategien ausdenken, Zwischenziele festlegen, Durststrecken durch ‚Belohnungen‘ überwinden und Vieles mehr.

‚Das Beste kommt noch, und warten lohnt sich immer‘ – so ähnlich habe ich es vor kurzem gehört und ich weiß nicht, ob dieser Satz immer stimmt? Wenn ich sehe, wie manche Menschen gerade im hohen Alter immer weniger Kräfte haben, immer weniger am Leben Anteil haben und dabei immer trauriger werden, dann höre ich sie fragen: was soll denn noch kommen? Hat mich ‚der da oben‘ vergessen? ‚Das Beste kommt noch‘, ein solcher Satz kann nur getragen sein von einer tiefgründigen Hoffnung darauf, dass das, was wir hier und jetzt sehen, noch nicht das Letzte ist, was unser Gott für uns bereithält.

So seid nun geduldig, liebe Brüder, bis auf die Zukunft des Herrn. Sieh, ein Ackermann wartet auf die köstliche Frucht der Erde und ist geduldig darüber, bis er empfange den Morgenregen und Abendregen.

Jakobus 5, 7

Der Aufruf zur Geduld, den Johannes Brahms in seinem ‚Deutschen Requiem‘ so wunderbar vertont hat, macht mir Mut, Geduld zu üben. Warten zu lernen. Vielleicht ist uns Christen und Christinnen beim Wartenlernen der Kirchenjahreskalender eine Hilfe. Das Kirchenjahr bietet uns so etwas wie ein Geländer, an dem entlang wir in einem Jahr durch alle Zeiten menschlichen Lebens hindurchgehen. Wie schön, jetzt im Oktober die Ernte der Felder und die eigene Lebensernte zu feiern, im November dann den Blick auf die Endlichkeit des Lebens zu richten, bevor mit Beginn des neuen Kirchenjahres im Advent das hoffnungsvolle Warten wieder neu beginnt.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen fröhliche Herbsttage.

Pastorin Antje Marklein

Seitenanfang