„Licht im Dunkel“

Spätestens seit die Uhr von Sommer- auf Winterzeit umgestellt ist, erleben wir, wie früh es dunkel wird, wie unsere Tage immer kürzer und dunkler werden.
So glaube ich, dass sich viele – wie ich auch – auf den Lichterglanz der Adventszeit in unseren Straßen freuen. Die Lichter künden in unserem christlichen Glauben schon auf die Geburt Jesu Christi hin, er kommt als Licht in unsere Welt. Ein Adventslied unseres Evang. Gesangbuchs nimmt diesen Gegensatz von hell und dunkel, Tag und Nacht, besonders beeindruckend auf:

„Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern. So sei nun Lob gesungen dem hellen Morgenstern! Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein. Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.“

EG 16, 1

Es stammt aus der Feder von Jochen Klepper, der selber genau von Ängsten der Dunkelheit der Nacht weiß und immer neue Hoffnungszeichen setzt. Dunkelheit und Nacht ist oft ein Symbol für Ängste, Sorgen, ja auch für Depression. Auf einem Mal ist es dunkel wie in einem Tunnel. Und gerade da empfinde ich es als glaubwürdige, tiefe Botschaft, dass wir im Advent entdecken dürfen, wo ein Licht mitten in der Dunkelheit angezündet ist. Aber wir müssen auch nicht die dunklen Lebensseiten in uns grell überblenden. Wir dürfen den Mut haben, das Schöne, das Erfolgreiche in unserem Leben zu sehen, aber auch das Dunkle um uns herum und in der Welt. Und da herein will Gott als Licht leuchten, das ist die Botschaft von Advent.

„Noch manche Nacht wird fallen auf Menschenleid und -schuld. Doch wandert mit uns allen der Stern der Gotteshuld. Beglänzt von seinem Lichte, hält euch kein Dunkel mehr. Von Gottes Angesichte kam euch die Rettung her.“

EG 16, 4

Jochen Klepper will zum Ausdruck bringen, dass mit dem Geschehen von Bethlehem die Nacht dieser Welt noch nicht zu Ende ist, denn auch nach Bethlehem wird weiter gelitten in dieser Welt. Aber in die Nacht hinein klingt die Botschaft der Hoffnung durch die Geburt Jesu, auf die wir zugehen.

Ein Gedenktag hat mich angeregt, dieses Lied hier zu bedenken: Am 11. Dezember 1942, also vor 70 Jahren, gehen Jochen Klepper, seine jüdische Ehefrau Renate und seine Stieftochter Hanni gemeinsam in den Tod. Die Familie wurde von der menschenverachtenden Ideologie des 3. Reiches so bedroht, dass der Lieddichter keinen anderen Ausweg als den gemeinsamen Suizid der Familie sah. Er schrieb im Tagebuch: „Über uns steht in den letzten Stunden das Bild des Segnenden Christus, der um uns ringt. In dessen Anblick endet unser Leben.“ Vielleicht haben die Ausführungen Sie angeregt, dem Lebensbild dieses interessanten Theologen mal auf die Spur zu gehen.

Möge uns seine Biographie, das Gedenken des Todestages und die Freude des Advent Mahnung sein, aufzustehen, wenn Menschen ein Lebensrecht abgesprochen werden soll.

„Die Nacht ist schon im Schwinden, macht euch zum Stalle auf! Ihr sollt das Heil dort finden, das aller Zeiten Lauf von Anfang an verkündet, seit eure Schuld geschah. Nun hat sich euch verbündet, den Gott selbst ausersah.“

EG 16, 3

Jochen Klepper lebte in dem Bewusstsein „Ich lebe, um Gott zu erfahren.“ Vertrauen wir also auch für uns auf Gottes Plan. Zünden wir ein Licht an in der Dunkelheit. Hören wir auf die Friedensbotschaft vom Himmel. So dürfen wir getrost durch die Adventszeit auf das Christfest zugehen.

Ihre Pastorin Elke Marx





Seitenanfang