Für mich passt die Jahreslosung gerade genau in meine Lebensphase. Es bleibt nichts, wie es ist. Das ist mit deutlich geworden, als das letzte unserer 4 Kinder vor ein paar Monaten ausgezogen ist. Bei der Geburt unseres ersten Kindes und bei allen nachfolgenden Kindern veränderte sich jedes Mal unser komplettes Leben. Weniger Schlaf, weniger Zeit und eine ganze Menge Stress. Jetzt ist es genau umgekehrt: ich habe wieder Zeit und muss erst einmal lernen, damit umzugehen. So verstehe ich ganz persönlich für mich die Jahreslosung. Mein Leben ist ständigen Veränderungen ausgesetzt und ich muss mich jedes Mal aufs Neue darauf einlassen, sonst bleibe ich auf der Strecke!

11 Jahre lang war bei mir die Familie im Vordergrund. Seit einem Jahr arbeite ich wieder in meinem Beruf. Da musste alles neu organisiert werden. Der ganze Alltag wurde umgeworfen. Auch meine Familie hat sich umgeguckt. Der Alltag und Haushalt funktioniert nicht mehr so perfekt. Manchmal fehlt die Milch oder die Wäsche ist noch nicht fertig. Jetzt müssen eben alle im Haushalt mit anpacken. Mir tut das richtig gut – und meiner Familie auch. Das ist für mich meine „neue Stadt“.

Bleiben oder suchen. Still stehen oder unterwegs sein. Eigentlich ist es doch so, dass wir uns bei Kirchens eher schwer damit tun. Wir sagen zwar immer, dass wir uns an dem wandernden Gottesvolk aus dem Alten Testament orientieren – aber wehe, das könnte ernst werden und wir müssten tatsächlich einmal aufbrechen. Es heißt zwar auch, dass Jesus immer unterwegs gewesen ist. Aber wir doch nicht, wir sind lieber sesshaft.
Hat natürlich auch etwas damit zu tun, dass wir uns wohl fühlen, uns beheimatet fühlen. Warum sollten wir das ohne Grund aufgeben, nur wegen eines Satzes aus der Bibel, wegen eines Prinzips?

Aber vielleicht ist das sowieso ein falscher Ansatz. Es ist ja von einer Suche die Rede. Für eine Suche muss man doch nicht zwingend seine Heimat verlassen. Es kann doch auch eine Suchbewegung sein. Von einem Standpunkt aus, mit einer inneren Offenheit schauen, was auf einen zukommt.

Entscheidend ist doch: Auf Zukunft hin ausgerichtet sein. Auf das, was Zukunft möglich macht. Da muss alt oder neu, bleiben oder unterwegs sein nicht unbedingt ein Widerspruch sein, oder sich gar ausschließen.

Aus einer Andacht zum Epiphaniasempfang
für die Ehrenamtlichen unserer Gemeinde von
Angelika Czora, Ute Borchers und Ulrich Pehle-Oesterreich


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