Liebe Leserinnen, liebe Leser

das Radio dudelt vor sich hin und ich frühstücke. Bei einem Lied merke ich auf, hab es lang nicht mehr gehört: „What a Wonderful World“, Louis Armstrong singt. Es trifft meine Stimmung recht gut: Draußen scheint endlich mal wieder die Sonne. Die Knospen springen auf, überall fängt es an zu grünen – und ich kann nur zustimmen: Ja, die Welt ist wirklich schön (ich schreibe die Andacht Mitte April).

Doch am Abend die Nachrichten: Bombenattentat in Boston – drei Menschen getötet, viele verletzt.
Da hat mich die Realität, das Leben wieder eingeholt und führt mich weg von einer allzu romantisierenden Weltsicht. Es gibt eben beides und es steht oft nebeneinander: das Schöne und das Hässliche, Glücksmomente und leidvolle Augenblicke.

Und auch, wenn ich immer wieder diese Erfahrung machen muss, so merke ich doch, wie wichtig es ist, den Blick zu bewahren für diese schönen Augenblicke im Leben, in denen ein Glücksgefühl und auch Dankbarkeit blitzartig durch mich hindurch fahren. Wenn ich spüre: „Dies ist ein schöner Tag“.

Für jeden ist das etwas anderes. Für den einen ist es, weil 96 mal wieder ein Spiel gedreht und gewonnen hat. Für die andere, wenn es zuhause in der Familie gut läuft. Kinder freuen sich, wenn sie ohne Einschränkungen spielen und toben können. Der Schrebergärtner, wenn er nach der Arbeit im Garten auf der Bank sitzt und mit einem kühlen Bier seinen Durst löscht.

Und ich denke: Ja, im Guten ist er zu finden. Im Guten, das uns widerfährt. „What a Wonderful World“.

Auch in dem, was uns unverdient zufällt: z.B. im Wechsel von Regen und Sonnenschein. In allem, was wächst, ohne dass ich etwas dazu tue. Auch in all der Freude, die mir geschenkt wird und die mein Herz füllt.


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