Was berührt?

Alles beginnt mit einem todsterbenskranken Kind, einer Seuche und einer Rettung: eine schreckliche Krankheit flammt im Mittelalter immer wieder auf und rafft ganze Landstriche dahin. Das Antoniusfieber, eine Pilzvergiftung des Getreides. Da bringen Kräuter Linderung, heilen kann aber nur Gott. Und seine Hilfe erflehen die Menschen durch einen starken Fürsprecher, den heiligen Antonius, den Wüstenvater.

Das ist der historische Hintergrund des Isenheimer Altars, den der Antoniusorden für sein Hospiz in Isenheim malen ließ. Matthias Grünwald, der Künstler, gestaltet zwischen 1512 und 1516 hierfür einen erschütterten Jesus, einen Christus, der mitleidet. Er malt ein Kreuz, unter dem Menschen stehen, die auch leiden – auf unterschiedliche Weise.

Der Fotokünstler Bernd Arnold möchte mit seinen Bildern des Altars eine Brücke schlagen zwischen damals und heute. Die 7 Stationen seines Kreuzweges wollen aufrütteln und uns fragen nach dem Leid unserer Tage.

Nach den Feuern, die die Menschen heute verzehren. Aber auch unsere Bereitschaft ansprechen, uns berühren zu lassen und mitzuleiden. Jede und jeden persönlich – wie unsere Gesellschaft.

Denn auch uns beschäftigt immer wieder die Frage nach Heilung und Heil. Konfrontiert mit persönlichem Leid, aber auch mit dem Leid in der Welt fragt so mancher danach, wie das zusammengehen soll, dass Gott uns einerseits durch Christus erlöst hat und auch immer wieder erlösen will &ndash aber andererseits die Leiderfahrung doch eine ganz andere Sprache zu sprechen scheint.

In der Passionszeit vom 5. März bis 19. April 2014 hängt der Kreuzweg im Gemeindehaus Wöhlerstraße. Seine Bilder wollen unserem Fragen und Suchen eine Richtung geben und helfen, unseren ganz eigenen Antworten näher zu kommen.


Pastor Ulrich Pehle-Oesterreich


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