Familie ist …

Familie ist …


Familie ist … mindestens so vielfältig wie diese Antworten. Hat die klassische Familie also ausgedient als Lebensmodell in unserer Zeit? Sicher nicht: Familien wird es zum Glück immer geben. In der Familie sind Menschen füreinander da; hier wird Verantwortung über die Generationen weiter- und zurückgegeben; hier lernen Kinder Vertrauen und Vergebung. Zugleich ist Familie mehr als Vater-Mutter-Kind. Für den einen gehört die Leihoma unbedingt dazu, für die andere ist die WG zur Familie geworden.

Familie ist … immer auch ein Thema in der Kirche. Als Kirchengemeinde begleiten wir Familien in ihren vielfältigen Formen. Laden Kinder und Eltern zum Mittagstisch und zur Kinderkirche ein, freuen uns mit denen, die sich trauen lassen oder ein Kind zur Taufe bringen, und bieten Begleitung und Hilfe an, wenn Wege auseinander gehen oder Familien in Not geraten. Deshalb stellt in diesem Jahr das Diakonische Werk die Woche der Diakonie unter das Thema „Wir sind Familie“.

Das Wort „Familie“ begegnet uns heute überall. In der Bibel kommt das Wort dagegen nur vier Mal vor. Häufiger ist vom Vaterhaus oder Stamm die Rede. Dabei erzählt gerade das Alte Testament viele Familiengeschichten: von Streit und Versöhnung, von Eifersucht und Vergebung – denken Sie nur an Jakob und Esau oder an Josef und seine Brüder. Für Jesus dagegen besteht Familie nicht in Blutsverwandtschaft, sondern in der Gemeinschaft im Glauben: „Wer den Willen meines Vaters im Himmel tut, der ist mir Bruder und Schwester und Mutter“ (Matthäus 12,50). Ein entscheidender biblischer Satz über die Familie steht übrigens schon ganz am Anfang der Bibel: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“ (1. Mose 2,18).

Vor einem Jahr hat ein Text der Evangelischen Kirche in Deutschland mit dem Titel „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit: Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken“ für Aufsehen und Irritation gesorgt. Es ist viel darüber diskutiert worden, ob die christliche Ehe als Leitbild ausgedient habe. Das ist sicher nicht der Fall: Aber die Kirche kann ihren Blick auf Familien öffnen, ohne Angst zu haben, etwas aufgeben zu müssen. Familie ist „eine Gemeinschaft von Menschen, die in verlässlicher und verbindlicher Partnerschaft verantwortlich gelebt wird“, heißt es in dem Text.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie eine schöne Sommerferienzeit – und freue mich, wenn wir uns beim Gottesdienst am Diakoniesonntag oder bei anderer Gelegenheit begegnen.

Ihre Pastorin Henrike Müller

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