„Danken verändert Denken“

In Hannover sind Menschen in verschiedenen Stadtteilen es längst gewohnt, dass immer noch Fliegerbomben aus dem 2. Weltkrieg gefunden werden und entschärft werden müssen. Aus Sicherheitsgründen sind dazu oft Evakuierungen ganzer Stadtteile notwendig. Im Juli diesen Jahres traf es uns in Misburg, und auch unser Hospiz musste binnen weniger Stunden komplett evakuiert werden. Nach gezielten Absprachen, wie sich das für diese schwerstkranken Menschen überhaupt umsetzen lässt, was wir für unsere Hospizgäste an Hilfsumfeld benötigen, war es soweit. Bei allem Organisieren, Vorausdenken, Informieren und Austausch von Befürchtungen war uns ganz schnell deutlich, wie viele Menschen ihre Hilfe in dieser außergewöhnlichen Situation anboten. Wir durften etwas von dem spüren, was uns unsere Väter- oder Großmütter oft aus Kriegstagen erzählt hatten, dass die Menschen in der Not enger zusammenrücken, Menschen, von denen man es nicht erwartet hätte. In großer Hilfsbereitschaft und Aufmerksamkeit stellte uns das Vinzenzkrankenhaus Zimmer mit allen medizinischen Hilfsmitteln für die Zeit der Evakuierung zur Verfügung, Sanitäter halfen bei jedem Transport in großer Achtsamkeit. KollegInnen aus befreundeten Einrichtungen riefen an und boten ihre Hilfe ganz selbstverständlich an. Nachdem wir Leitenden und die Krankenschwestern von der ersten Benachrichtigung bis zur Rückkehr des letzten Hospizgastes 15 aufregende Arbeitsstunden hinter uns gebracht und uns ausgeschlafen hatten, waren alle froh, dass es so gut gegangen war, trugen noch einmal die Hilfsbereitschaft zusammen und begannen mit gezielten Besuchen, den Menschen zu danken. Und ich schaute nur in überraschte Gesichter, die nicht erwartet hätten, dass wir „Danke“ sagen.

Ich fragte mich sehr ernsthaft, ob wir nur noch eingeübt haben, uns bei Unwegsamkeiten zu beschweren und nicht mehr nach guten Erlebnissen zu bedanken?

Dabei ist Danken doch eine der Grundfähigkeiten des Menschen. Ich bin überzeugt, dass solche Haltung des Dankens auch unser Denken verändert. Der Dank nimmt die Dinge wahr und preist die Güte, aus der sie entstammen.

Die christlichen Kirchen haben dazu einen besonderen Erinnerungstag, das Erntedankfest! Dort wird der guten Gaben gedacht, die im Laufe des Sommers auf unseren Feldern gewachsen und im Herbst als reife Früchte geerntet sind. Dabei wird der Bogen aber auch weiter gespannt auf alles Gute, das Gott uns zum Leben gibt. Ich glaube fest, dass wir neben Nahrung und Kleidung vieles in unserem Leben finden können, für das wir von Herzen danken können. Wenn wir es anderen Menschen sagen, verändert es unser Denken. Und wenn wir es Gott sagen, verändert es unsere Haltung: Der Mensch ist nicht der eigentliche Macher des Lebens. Gott weiß, was wir brauchen und schenkt uns immer wieder genug zum Leben.

Die Festgottesdienste zum Erntedanktag stehen in dieser Spannung zwischen Dank und Verantwortung, beschenkt werden und Engagement für eine weltweite gerechtere Verteilung der Nahrung. Lassen Sie uns doch auch in diesem Oktober einstimmen in den Dank, der unser Denken verändert.

Ihre Pastorin Elke Marx

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