Jahreslosung 2015

Liebe Leserinnen und Leser,

„Was machen wir mit der Grünlilie? Kann die endlich mal weg?“
„Was, du willst sie wegschmeißen? Aber die hab ich doch schon so lange, und sie ist so anspruchslos. Sie steht dort in der Ecke und wir beachten sie fast gar nicht. Ein bisschen Wasser - schon ist sie zufrieden. Und sie sieht immer gut aus, dazu die schönen weißen Blüten.“
„Aber in der neuen Wohnung haben wir zu wenig Platz, wir müssen ein paar Pflanzen aussortieren.“
„Ist mir egal, die Grünlilie kommt mit. Guck doch mal, sie hat schon wieder neue Triebe entwickelt. Sie ist einfach nicht klein zu kriegen, nicht einmal durch deine schlechte Pflege.“

Natürlich ist sie mitgekommen, steht im Wohnzimmer in der Ecke und wuchert vor sich hin.

Vielleicht würden wir selbst gern manchmal wie Grünlilien sein. Wir bräuchten niemanden zur Gesellschaft, wären fruchtbar aus uns selbst heraus und könnten sprießen, uns entwickeln nach unserer Lust und Laune.

Aber wir sind anders als die Grünlilien. Und wenn das Leben als Grünlilie noch so verlockend wäre, wir würden unter solchen Bedingungen eingehen. Denn wir leben in Beziehung. Wir brauchen nicht nur uns selbst, sondern auch ein gegenüber, ein Du. Einen Menschen, der zu uns spricht, mit dem wir reden können. Das brauchen wir um uns wohl zu fühlen. Wir brauchen eine, die uns ergänzt, jemanden zum Austauschen, immer mal wieder brauchen wir eine, die uns Mut macht, oder einfach lieb hat, das geht nur in Beziehung.

Wenn alles gut läuft dann reichen wir einander die Hand, stehen im Kreis und sind füreinander da, arbeiten einander zu, unterstützen uns wechselseitig, geben uns die nötige Wärme und Zuneigung.

Aber oft genug ist es nicht so. Da kapseln wir uns ab, gehen unseren eigenen Weg.

Fühlen wir uns dann wohl?

Die Jahreslosung will uns zum Wohlfühlen zurückbringen oder uns animieren, daran festzuhalten.
Nehmt einander an, seid füreinander da – dann geht es nicht nur den anderen, dann geht es auch euch selbst besser. Jesus hat das vorgelebt. Er ist auf Menschen zugegangen, hat sie herausgeholt aus auferlegter oder selbstgemachter Isolation. Und so hat er auch für dich und mich gelebt, ist er für dich und mich gestorben.
Nicht nur als Vorbild, sondern auch als Schutzraum. Bei ihm sind wir nicht festgelegt auf Rollen, die wir sonst im Leben spielen. Bei ihm können wir uns ausprobieren. Und weil wir von ihm geliebt werden, können wir wiederum auch auf andere zugehen, von seiner Zuwendung abgeben. In Beziehung leben.
Aus Liebe Kraft schöpfen und sie weitergeben.

Ulrich Pehle-Oesterreich

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