„Du bist schön!“

„Bei mir bist du schön, please let me explain
Bei mir bist du schön means you're grand
Bei mir bist du schön, again I'll explain
It means you're the fairest in the land.
I could say 'bella, bella' even 'sehr wunderbar'
Each language only helps me tell you
how grand you are I've tried to explain, 'bei mir bist du schön'
So kiss me and say you understand”

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

haben Sie die Melodie dieses Swing-Klassikers aus den späten dreißiger Jahren im Ohr? Haben Sie in Gedanken beim Lesen mitgesummt? 1938 ist dieses Lied von den Andrew-Sisters berühmt gemacht worden, seinen eigentlichen Ursprung aber hat es in einem jiddischen Musical von 1932. Seitdem ist es immer wieder gesungen, interpretiert, gespielt worden, von Ella Fitzgerald und anderen Jazzgrößen – und zuletzt auch in der Matthäuskirche beim Neujahrskonzert der Bigband „Summer in The City“.

„Bei mir bist Du schön“ ist ursprünglich das Duett eines Liebespaares. Bei mir bist du schön – ganz gleich, was objektive Schönheitskriterien sagen, ganz gleich, was die anderen sagen: bei mir bist Du schön. Der liebevolle Blick sieht eben nicht nur die vielleicht etwas zu spitze Nase, die zu runden Hüften, die zu langen Arme oder den Bauchansatz. Er sieht vieles, was anderen auf den ersten Blick verborgen ist: dass dieser Mensch mit Nase, Hüften, Armen und Bauch und vielem mehr ganz wunderbar gemacht ist und einzigartig für den, der ihn oder sie liebt.

„Du bist schön!“ ist das Motto der Fastenaktion der Evangelischen Kirche 2015. Mittlerweile ist es wieder zur Tradition geworden, die sieben Wochen zwischen Aschermittwoch und Ostern als Fastenzeit ernst zu nehmen. Viele Menschen verzichten in dieser Zeit auf liebgewordene Gewohnheiten wie Alkohol oder Süßigkeiten, lassen das Auto stehen oder versuchen, achtsamer zu leben. Dass diese Zeit nicht nur eine Zeit des Verzichts ist, sondern zu einer Zeit der bewussteren Wahrnehmung wird, dazu trägt die Fastenaktion der Evangelischen Kirche bei.

„Du bist schön – sieben Wochen ohne Runtermachen“ heißt es also in diesem Jahr. Einen Versuch ist es wert: zu sich selbst von Herzen zu sagen: „Du bist schön“ – trotz all der Macken und Makel, die wir an uns selbst entdecken. Und die Schönheit zu suchen und zu würdigen, dort, wo sie sich nicht herausputzt. In Gesichtern, an Gebäuden, in Kleinigkeiten, an denen wir sonst achtlos vorbeigehen.

Unser Glaube öffnet uns die Augen für die Schönheit hinter den Dingen: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“, heißt es in der Bibel im 2. Korintherbrief. Gottes Liebe und seine Kraft sind auch und gerade dort mächtig, wo nicht alles schön, gesund und harmonisch ist. Wie tröstlich: Schön-Sein, Geliebt-Sein, Versöhnt-Sein hat nichts mit objektiven Schönheitskriterien zu tun. Sondern mit Gott, der uns liebt und als dessen Ebenbilder wir wunderbar gemacht sind.

Eine gute Zeit mit schönen Entdeckungen wünscht Ihnen und euch

Pastorin Henrike Müller

Seitenanfang