„Osterkerze“

Osterkerze

Einen der eindrücklichsten Gottesdienste im Jahresablauf unserer Kirchengemeinde feiern wir in der Osternacht. Unsere Lektorinnen bereiten ihn seit einigen Jahren vor. In die dunkle Kirche wird zu Sonnenaufgang , dem Zeitpunkt, als damals die Frauen ans Grab Jesu kamen und es leer vorfanden, die Osterkerze getragen mit den Worten in die Stille hinein „Christus ist auferstanden, der ist wahrhaftig auferstanden!“

Die Symbolik legt sich eindrücklich auf alle Gottes­dienst­be­sucherInnen, die in der Finsternis aufgebrochen waren, dass sich Freude ausbreitet wie eben das Licht, das von der Osterkerze an jeden einzelnen GottesdienstbesucherIn weitergetragen wird. Nach und nach erstrahlt die ganze Kirche im Licht, ein beeindruckendes Erlebnis, das uns tief im Herzen die Freude der Auferstehung spüren lässt.

Für die christliche Gemeinde gehört elementar zum Osterfest die Osterkerze. Und dieser Brauch, eine besondere Kerze an Ostern zu entzünden, ist sehr alt. Die ältesten schriftlichen Zeugnisse stammen aus dem 4. Jh., aus einem Brief des Hieronymus an Diakon Präsidius von Piazenza im Jahr 384. Ursprünglich knüpfte die Osterkerze an den heidnischen Brauch des Brandopfers an. Aber auch im Judentum gibt es Anknüpfungspunkte, indem nämlich das Volk Israel durch die Wüste und durch das Rote Meer hindurchzog, indem es der Feuersäule folgte.

Ab Ostern zeigt dann diese Kerze auch die Jahreszahl des aktuellen Jahres. Sie symbolisiert, dass Christus nicht in der Finsternis des Todes blieb, sondern mit seiner Auferweckung in das Licht des Lebens geht. Das mag auch uns Hoffnung geben und wahrhaftige Freude auslösen.

Die Symbole Alpha und Omega als erster und letzter Buchstabe des griechischen Alphabets, die wir heute auf solchen Kerzen oft sehen, tauchen auf den Osterkerzen erst Ende des 9. Jh. auf. Auch die heute üblichen Wachsnägel als Symbole der Wundmale Christi sind der alten Tradition fremd. Wenn die Osterkerze angezündet wird, ist das das Zeichen, dass der Tod vor dem Leben und die Finsternis vor dem Licht weichen wird. Jesus selbst sagt einmal: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Joh. 8, 12)

Diese Gewissheit aus dem Glauben, der an Ostern seinen wahren Grund findet, und besinnliche Stunden im Lichte der Osterkerze wünsche ich Ihnen und Euch jetzt in die österliche Freudenzeit hinein. Und eine herzliche Einladung in die Osternacht!

Ihre und Eure Pastorin Elke Marx

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