„Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.“

1. Mose 32, 27

Liebe Leserinnnen, liebe Leser,

da liegt dieser Brief, an ihn und auch an seine Eltern. „Nach den Sommerferien beginnt der Konfirmandenunterricht und du bist herzlich eingeladen, mitzumachen.“ Eigentlich weiß er nicht so recht, ob das was für ihn ist. Als er seinen Klassenkameraden davon erzählt, lachen die einen: „Da geht doch heute keiner mehr hin.“ Die anderen halten sich bedeckt.

Zweifle nicht
An dem
Der dir sagt
Er hat Angst

Aber hab Angst
Vor dem
Der dir sagt
Er kennt keinen Zweifel

Erich Fried, aus „Gegengift“, 1974

Ein paar Tage später fragen ihn seine Eltern: „Na, wie ist es, willst du da hingehen?“ „Weiß nicht. Was würdet ihr denn machen?“ „Ich kann dir dazu nichts sagen, ich will damit nichts mehr zu tun haben. Du weißt ja, wie ich mich geärgert habe bei der Beerdigung von Opa, bin dann ausgetreten. Das musst du selbst wissen“, bekommt er als väterlichen Kommentar zu hören. „Probier es doch einfach mal aus. Mir hat es damals Spaß gemacht“, wirft seine Mutter ein.

Also geht er mit seiner Mutter zum Konfirmandeninfonachmittag und trifft dort ein paar seiner alten Klassenkameraden aus der Grundschulzeit. Das gibt den Ausschlag, er will es versuchen.

Als der Unterricht beginnt, sprechen sie über sich, was ihnen Spaß macht, was in der Schule los ist, was sie gern essen – und ein Foto wird von ihnen als Gruppe geschossen. Das bekommen sie ausgedruckt für ihre Mappe. Komisch wird es für ihn, als sie über Gott sprechen. So richtig weiß er eigentlich nicht, was er sich vorstellen soll. Das mit dem Mann auf dem Thron, wie früher im Kindergarten, davon ist er schon länger weg. Aber es ist noch kein anderes Bild an seine Stelle getreten.

Und jetzt kommt der Pastor ausgerechnet mit der Jakobsgeschichte, mit einem Kampf. Jakob kämpft mit einem Mann, einem Wesen, vielleicht auch mit sich selbst an einem Fluss. Es geht nicht vorwärts und nicht rückwärts, sie sind ineinander verkrallt und ringen. Keiner gibt nach. "Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“, zischt Jakob seinem Gegenüber zu – sollte das am Ende Gott sein, fragt er sich.

Später sprechen sie über Jesus. Der setzt sich ein. Ist für die Menschen da. „Aber das mit dem Tod am Kreuz und der Auferstehung – das soll für mich sein?“ Das versteht er nicht wirklich.
Das merkt er noch einmal bei der Freizeit, kurz vor der Konfirmation. Sie sprechen über ihren Glauben, darüber, was ihnen im Leben wichtig ist und schreiben selbst ein Bekenntnis. Ja, Gott ist ihm wichtiger geworden und Jesus auch, nur das mit der Auferstehung und dem Heiligen Geist, das ist ihm immer noch fremd. Aber er will sich konfirmieren lassen. Er weiß auch schon einen Spruch, den von Jakob: „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.“ Das trifft es. Das ist er. Mal sehen, wie es weiter geht.

Ulrich Pehle-Oesterreich

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