Urlaubsgebet

Das braucht seine Zeit,
bis die Tage den anderen Rhythmus lernen
und langsam im Takt der Muße schwingen.
Das braucht seine Zeit,
bis die Alltagssorgen Ruhe finden,
die Seele sich weitet
und frei wird vom Staub des Jahres.

Hilf mir in diese andere Zeit, Gott.
Lehre mich die Freude
und den frischen Blick auf das Schöne.
Den Wind will ich spüren,
die Luft will ich schmecken.
Dein Lachen will ich hören,
deinen Klang
und in alledem deine Stille.

von Carola Moosbach

„Was war die Reise Ihres Lebens?“ Ein Radiosender hat in den vergangenen Wochen seinen Hörerinnen und Hörern diese Frage gestellt. Von Malente bis Malaysia, von Westerland bis zum Westerwald, von Vietnam bis Venedig reichen die Ziele. Mit Hausboot oder auf dem Fahrrad, mit Rucksack oder Kletterausrüstung sind die Reisenden unterwegs gewesen – und immer gab es etwas ganz Besonderes, das die Reise zur „Reise des Lebens“ gemacht hat. Einen unvergleichlichen Ort, einen besonderen Menschen, eine unvergessliche Begegnung ... auf Reisen kann man eben etwas erleben! Und manchmal merkt man unterwegs oder im Rückblick: das war wirklich die Reise meines Lebens.

Diese Ausgabe der Lister Kirchen erscheint schon etwas früher als zum 1. August, weil Ende Juli die Sommerferien beginnen. Wir möchten Ihnen also noch eine gute Reise wünschen, bevor die Ferienzeit beginnt, die für viele Menschen eine Reisezeit ist. Vielleicht haben Sie ja in diesem Jahr die Reise Ihres Lebens vor sich? Ein exotisches Ziel, das man wirklich nur einmal im Leben ansteuert, vielleicht. Eine romantische Reise zur Silberhochzeit oder gar in die Flitterwochen. Oder die erste Reise in die große Freiheit: Aufbruch in ein Auslandsjahr, Au Pair oder Interrail nach dem Abitur. Solche Reisen haben gute Chancen, zur „Reise des Lebens“ zu werden.

Manchmal sind es aber auch die kleinen Reisen, die auf den ersten Blick ganz unscheinbar wirken und doch in Erinnerung bleiben: die letzte Reise zusammen mit Mutter oder Vater, mit Ehefrau oder Ehemann. Eine Reise ganz allein, mit viel Zeit und Ruhe zum Nachdenken. Ein Morgen am menschleeren Strand, die Stille auf dem Gipfel, eine Kerze in einer kleinen Dorfkirche oder ein Biergartenabend mit alten Freunden – solche Momente können dafür sorgen, dass eine Reise unvergesslich bleibt.

Wenn Sie in diesen Tagen aufbrechen, dann möge Gottes Segen Sie begleiten. Ganzgleich, ob Sie drei Wochen nach Italien fahren oder für einen Nachmittag ans Steinhuder Meer: auf Gottes Nähe können wir uns an allen Orten verlassen. „Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten“ (Psalm 139,9-10). Er ist dabei, auf der Reise unseres Lebens.

Gute Reise!

Ihre Pastorin Henrike Müller

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