„Lieder der Reformation“

Am 31. Oktober jeden Jahres feiern wir das Reformationsfest. Auf Hochdruck wird in unserer Kirche und in unseren Gemeinden nun das Reformationsjubiläum 2017 vorbereitet.

500 Jahre nach dem Thesenanschlag Martin Luthers an die Schlosskirche zu Wittenberg soll mit einem besonderen Event gefeiert werden. Wenn wir es historisch, kirchengeschichtlich und politisch in der Dimension messen können, möchte ich im Besonderen hier den Blick auf die Botschaft für jede und jeden Einzelnen legen.

Allein aus Gnade sind wir gerecht vor Gott, allein der Glauben zählt und allein die Heilige Schrift ist der Maßstab. So könnte man die Botschaft Luthers kurz zusammenfassen.

Und dann ist es eine ganz persönliche Botschaft, die uns zu allen Zeiten gilt. Mag das Reformationsjubiläum dazu beitragen, dass wir diese Hoffnung für uns neu verinnerlichen.

Ein ganz besonderes Gut der Reformationszeit, das uns ganz persönlich diese Gnade zuspricht, sind für mich die Lieder der Reformation. 39 Lieder und Gesänge sind uns von Martin Luther alleine überliefert.

Das bekannteste Lied Martin Luthers im Evangelischen Gesangbuch ist sicher „Ein feste Burg ist unser Gott“ (EG 362). Martin Luther hat es gedichtet und auch die Melodie dazu geschrieben. Es ist ein Lied gegen die Angst, ein Lied des Trostes und des Vertrauens.
Als das an Psalm 46 angelehnte Lied zwischen 1527 und 1529 entstand, litt Luther zum ersten Mal unter seinem qualvollen und unheilbaren Steinleiden. In seiner Heimatstadt Wittenberg wütete die Pest. Der Reformator sorgte sich um das Leben seiner schwangeren Frau Katharina. Er war manchmal voller Verzweiflung und fragte sich, ob sein Weg, den er mit der Reformation eingeschlagen hatte, der richtige sei.

Mit seinem Lied malt uns Luther eine Burg vor Augen: die Wartburg zum Beispiel. Hier hatte er als „Junker Jörg“ einst Zuflucht gefunden und das Neue Testament ins Deutsche übersetzt.
Eine Burg, sie steht fest gegründet auf einem Bergrücken, unbezwingbar und wachend über Land und Leute. Der Turm gewährt Ausblick und Weitblick. Schutz bieten die mächtigen Mauern, Sicherheit für die Bewohnerinnen und Bewohner. Die Tore öffnen sich für Freunde und schließen sich für Feinde. Luther hat erfahren: Wie eine befestigte Burg, die Schutz gewährt – so ist Gott zu uns.

Doch solch ein Zutrauen hatte Luther nicht immer zu Gott. Er haderte schon als Augustinermönch mit der Frage, wie er einen gnädigen Gott bekäme, und später mit der Frage, ob sein eingeschlagener Weg mit der Reformation richtig sei. Aber er erlebte: „Mit meiner Macht ist nichts getan.“

Alle selbst gebauten Himmelsleitern, die er sich durch die Erfüllung von Mönchsgelübden und frommen Werken bauen wollte, zerbrachen.
Und endlich ging es ihm auf: Leben, wirkliches Leben, ist Gnade, ist Geschenk von Gott.

Diese Gnade und dieses Geschenk von Gott mag uns ganz persönlich tragen, wenn wir im Oktober zum Erntedankfest einladen, wenn wir uns der Reformation erinnern und wenn wir im November auf die Gedenktage zugehen.

Wirkliches Leben ist Gnade, ist Geschenk von Gott. Bis heute – auch für uns an jedem Tag.


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