Gott spricht: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“
Jahreslosung 2016

Das kleine Mädchen rennt die Auffahrt hinunter und es kommt, was kommen muss: es fällt der Länge nach hin. Zuerst der Schreck, dann das Weinen. Es sitzt auf dem Boden und die Tränen kullern nur so. Die Mutter kommt angelaufen und nimmt ihr Kind in den Arm. Sie streicht ihm über den Kopf und sagt: „Alles wird wieder gut. Zeig mal dein Bein.“ Zusammen schauen sie auf die Wunde am Knie. „ Komm wir pusten mal“, und schon holen sie Luft und pusten den Schmerz weg. Vielleicht zur Sicherheit noch ein Pflaster.

Körperliche Nähe, eine zarte Berührung, die vertraute Stimme, ein winziges Ritual - und ein Wunder geschieht: das Mädchen spürt kaum noch Schmerz, die Tränen versiegen und der kindlich überschwängliche Lebensmut ist wieder da.

Wäre das nicht toll, sich auch bei Gott so ankuscheln zu können und trösten zu lassen? Leider geht das nicht. Wenn doch, dann nur im übertragenen Sinn, denn was Jesaja nutzt, den Trost der Mutter, ist ein Bild. Ein Bild dafür, wie Gott an uns Menschen wirkt.

Wie tröstet eine Mutter? Sie eilt zur Hilfe, sie gibt Zuspruch, sie sieht nach vorn und sieht das gute Ende voraus, kümmert sich um die Tränen und verbindet die Wunde.

Jesaja meint: genauso wirkt auch Gott! Eben wie eine Mutter. Er sagt es in Zeiten, als Trost und Zuspruch dringend nötig waren.

Was waren sie damals nicht jubelnd losgerannt, doch dann waren sie mit all ihrem hoch-hinaus-Optimismus auf die Nase gefallen. Jetzt sitzen sie da und haben das heulende Elend. Doch Gott lässt sie nicht allein. Kommt zur Hilfe und spricht ihnen zu: „Alles ist gut“ – also nicht alles wird gut. Manchmal ist es ja so, dass man mit Tränen in den Augen sieht wie mit einer beschlagenen Brille. Wir sehen die Wirklichkeit verzerrt. Da muss man die Brille putzen, die Tränen abwischen und erkennt:
Es geht doch! Eine zerstörte Stadt (wie damals Jerusalem) kann man aufbauen, über Verluste kann man hinwegkommen. Ich muss das ja nicht allein bewältigen, da ist jemand, der hält bedingungslos zu mir, stärkt mir den Rücken, wann immer das Not tut. Ruft mir zu: Ich tröste dich, wie deine Mutter dich getröstet hat. Weil ich dich liebe. Das gilt heute und morgen, das ganze Jahr hindurch.

Wann immer ich es nötig habe, wann immer du es brauchst: Gott will uns trösten wie eine Mutter uns tröstet.
Beim kleinen Wehwehchen wie beim großen Schmerz.
Er hilft uns wieder auf die Beine, weil er weiß: Alles ist gut!


Ihr Pastor Pehle-Oesterreich

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