„Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen“

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

„Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen“, weiß der Volksmund. Und darum gibt es kein Familienfest, kein Treffen unter Freunden, bei dem nicht etwas Leckeres auf den Tisch kommt. Und auch wenn in der Passionszeit, die mit dem Aschermittwoch am 10. Februar beginnt, für manche etwas weniger Schokolade, Wein oder Fleisch auf Speiseplan stehen, bleiben Essen und Trinken doch unverzichtbar. Dabei muss es ja gar kein großartiges Vier-Gänge-Menu sein – ein Teller Hühnersuppe, mit Liebe gekocht, wärmt durch und macht gesund. Ein Schälchen Schokoladenpudding hebt die Stimmung. Und eine Tiefkühlpizza bei Kerzenschein kann in der richtigen Gesellschaft zum romantischen Candle-Light-Dinner werden.

Auch in der Matthäuskirche wird bei verschiedenen Gelegenheiten gegessen. Es ist eine große Stärke dieses besonderen Raums, dass man hier nicht nur Gottesdienst feiern und Konzerte erleben, sondern auch an langen Tafeln miteinander essen kann – Stühle lassen sich eben einfacher umstellen als schwere Bänke. Beim Interkulturellen Weihnachtsfest im Januar war das Essen ein Anlass, über die Grenzen von Kultur und Sprache hinweg miteinander ins Gespräch zu kommen und an einem Tisch zu sitzen. Beim Ehrenamtsempfang im März ist das Essen ein Zeichen des Danks für all diejenigen, die sich ehrenamtlich in der Gemeinde engagieren.

In der Woche vor Ostern werden wir wieder in der Kirche essen – dieses Mal im Rahmen eines Gottesdienstes. Das Tischabendmahl am Gründonnerstag ist ein besonderer Gottesdienst, der eine Abendmahlsfeier, ein gemeinsames Essen, Tischgespräche und Lieder miteinander verbindet.

Viele Gemeinden bieten am Gründonnerstag diese Form des Abendmahlsgottesdienstes an. Sie erinnern damit an das letzte Mal, dass Jesus und seine Jünger miteinander geteilt haben. Am Vorabend vor der Verhaftung Jesu sollen sie miteinander das Passamahl gefeiert haben, das in der jüdischen Tradition an den Auszug aus Ägypten erinnert. Zu diesem Mahl gehören symbolische Speisen (zum Beispiel ungesäuertes Brot und bittere Kräuter) und Wein. Jesus hat, so berichten es die Evangelien, die Segensworte über Brot und Wein umgedeutet und auf seinen bevorstehenden Tod bezogen.

Wenn wir als Gemeinde am Gründonnerstag an einem langen Tisch beieinander sitzen, Brot und Wein teilen und anschließend zusammen essen, erleben wir, dass das Abendmahl mit Gemeinschaft, mit Sättigung, mit spürbarem Segen zu tun hat. Zugleich ist dieses Mahl aber auch der Beginn der dunklen Tage vor Ostern. Wie Gründonnerstag und Karfreitag in der Nacht ineinander übergehen, so liegen auch bei diesem Mahl Gemeinschaft und Abschied, Freude und Trauer dicht beieinander. Nach dem Essen und dem Segens schweigt die Orgel. Wir gehen still in den Abend und in den dunklen Karfreitag – um dann das Licht des Ostermorgens umso fröhlicher begrüßen zu können.

Am Gründonnerstags-Tisch in der Matthäuskirche ist noch Platz. Kommen Sie doch in diesem Jahr dazu!

Eine gute Zeit wünscht Ihnen und euch
Pastorin Henrike Müller


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