„Sommer, Sonne Sonnenschein“

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Sommer, Sonne, Sonnenschein, Strand und Meer, Berge oder auch Balkonien.

Endlich wird es Sommer und es kommen die großen Ferien. Da kann man entspannen und Sonne tanken, ob in weiter Ferne oder im Park. Endlich gibt es eine Ruhepause, eine Unterbrechung von dem normalen und oftmals stressigen Alltag. Die Zeit kann man nach eigenen Vorstellungen gestalten, es ein bisschen ruhiger angehen lassen und endlich mal Kraft tanken. So wird die Sommerzeit zu einer Oase, zu einer Insel der Erholung im Jahreskreislauf.

Nicht nur wir in unserer heutigen Zeit haben das Bedürfnis nach Ruhephasen und nach Erholung. Schon von Jesus wird berichtet, dass er sich nach oder vor ereignisreichen Zeiten immer wieder allein oder mit seinem engsten Jüngerkreis zurückzieht, um zur Ruhe zu kommen. So stieg er nach der Speisung der 5000 alleine auf einen Berg (Markus 8,46) und nach der Heilung eines Aussätzigen suchte er die Einsamkeit in der Wüste (Lukas 5,16). In diesen äußeren Ruhephasen zieht sich Jesus zurück und betet. Er betet, um ganz bei Gott zu sein, und so zur Ruhe zu kommen. Er besinnt sich und richtet seine Gedanken und sein Leben neu auf den Vater aus. Nach der Ruhepause geht Jesus nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich gestärkt wieder unter die Menschen und führt sein Wirken und sein Predigen fort.

Wie gestalten wir heute unsere großen und kleinen Pausen, unsere Ferien und unsere Freizeit? Füllen wir sie mit Aktivitäten, machen wir uns Urlaubs- und Freizeitstress, oder nehmen wir uns auch mal bewusst Zeit, so wie Jesus, um nicht nur körperlich, sondern auch seelisch zur Ruhe zu kommen, um uns zu besinnen, auf Gott und dadurch auf uns?

In den 90er Jahren, und manchmal auch heute noch, sah man ab und zu einen Aufkleber an der Heckklappe von Autos, auf dem es heißt: „Fahre nie schneller, als dein Schutzengel fliegen kann.“ Ich denke, dass dieser Spruch nicht nur im Straßenverkehr und ganz besonders zur Ferienzeit auf der Autobahn seine Gültigkeit hat. Wenn man diesen Satz ein bisschen umformuliert, kann man ihn nicht nur auf den Straßenverkehr beziehen, sondern auf sein ganzes Leben übertragen: „Lebe nie schneller, als deine Seele hinterher fliegen kann.“ Vielleicht sollten wir unsere Ferientage nicht zu sehr mit Freizeitterminen füllen, sondern uns bewusst Zeit nehmen, um auf unsere manchmal zu sehr abgehetzte Seele zu warten. Vielleicht kann man am Urlaubsort oder in Hannover eine Kirche aufsuchen oder sich zu Hause bewusst Zeit nehmen, und so wie Jesus innehalten und vor Gott bringen, was die Seele unter den vielen Schichten von Terminen und Stress des ganzen Jahres und der gesellschaftlichen und familiären Rollenerfüllung wirklich bewegt, damit sie in Gott Ruhe finden kann. So können wir aus den Ferien nicht nur körperlich und geistig erholt kommen, sondern auch geistlich und seelisch gestärkt gehen. Und vielleicht können wir die kleinen Oasen für die Seele bewahren, indem wir uns auch im Alltag bewusst Momente der Ruhe gestalten, uns auf Gott und dadurch auf uns selbst besinnen und somit stärken. Dann können wir in die Worte des 62. Psalms einstimmen: „Meine Seele ist stille zu Gott.“

Ihre Vikarin Helen Treutler


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