„Erntedank“
Erntedank

Auf dem Altar: Weintrauben und Weinlaub, dazu ein Laib Brot, gut sichtbar für alle.

Zwischen Altar und Kanzel ein Tuch, darauf Getreideähren, Äpfel, Birnen, Kartoffeln und Möhren. Viele Eicheln und Kastanien. Die Kinder aus der KITA haben gesammelt. Ihre Eltern haben ihnen auch Kürbisse mitgegeben. Von einem Kleingärtner ein gewaltiger Trumm von einem Kürbis. Da gehen einem die Augen über und dann diese gelbe Zuccini, so groß können die werden? Andere haben einen bunten Wiesenblumenstrauß gepflückt. Der kommt auch dazu.

„Du hast uns deine Welt geschenkt, den Himmel die Erde“ dieses Lied geht mir durch den Kopf. Ja, wir haben von Gott so viel geschenkt bekommen und beim Erntedankfest drücken wir unseren Dank aus. Danken für alles, was das letzte Jahr gebracht hat. Im Garten, auf den Feldern, was an leckeren Dingen auf unseren Tisch gekommen ist.

Und immer wieder muss ich auch an ein Erntedankfest in meiner Wolfsburger Gemeinde denken, bei dem wir einen Autoreifen zu den Erntegaben legten, um für die Arbeit (nicht nur bei VW) zu danken. Was hat das für eine Aufregung gegeben. Dabei gehört das doch nun wirklich auch zur Ernte dazu. Eben nicht nur der rote Apfel, sondern auch der Stahl, das Gummi, alles, was wir produzieren. Aber vielleicht fällt da der Dank dann doch zu schwer. Die Verbindung zur Natur ist einfach nicht naheliegend genug. Beim Erntedankfest muss das Wirken Gottes sofort ins Auge fallen.

Also doch lieber nur für Obst und Gemüse danken? Und nicht für all die Freude, die ich mit so vielen Menschen im Laufe des Jahres erlebt habe. Nicht dafür, dass manche Krankheit überstanden, eine Lebenskrise bewältigt oder auch ein Kind geboren und getauft wurde. Der erlebnisreiche Urlaub, der Blick in verliebte Augen.

Früchte unseres Lebens.
Früchte des letzten Jahres.
Für mich liegen sie neben den Äpfeln, Birnen und dicken Kürbissen. Und eigentlich sind sie mir wichtiger, weil sie meine Seele im Laufe des Jahres genährt haben.

Das hat mir Gott geschenkt.
Dafür möchte ich danken.
Beim Erntedankfest.

Ihr Pastor Ulrich Pehle-Oesterreich

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