Erntedank

Ein neues Jahr beginnt. Eine Chance, anders anzufangen. Etwas Neues – das spricht mich an. Ich nehme mir Neues vor – das ist ein besonderer Reiz. Ich habe Vorsätze und lasse Ungeliebtes hinter mir. Aber gleichzeitig höre ich auch in mir: Neues ist etwas Ungewohntes – das schreckt mich ab. Das könnte anstrengend sein. Ich bin doch vieles so gewohnt. Brauche und möchte ich es wirklich alles neu haben?

Der Übergang von einem Jahr zum anderen birgt einen Rückblick auf das Vergangene in sich. Was war gut im zu Ende gehenden Jahr? Welche Erinnerungen, Erfahrungen nehme ich mit? Woran werde ich noch lange denken – positiv wie negativ? Und gleichzeitig schauen wir voraus: Was wird das neue Jahr bringen? Was möchte ich neugestalten? Vielleicht auch, welche Vorsätze habe ich? Verbergen sich auch Befürchtungen dahinter, wenn das neue Jahr nicht gut verläuft? So gehen wir von einem Jahr zum anderen.

Aber wir blicken auch auf Neues an den Wendepunkten im Leben. Und wenn da etwas neu wird, feiern wir Christinnen und Christen Gottesdienst, um uns zu vergewissern, dass Gott uns im Neuen begleitet. Wenn ein Kind ins Leben tritt und wir Taufgottesdienst feiern, wenn Jugendliche auch 2017 in unserer Kirche wieder konfirmiert werden, wenn Eheleute vor dem Altar um Gottes Segen für ihren gemeinsamen Weg bitten, wenn wir bei Jubiläen um Gottes Beistand bitten oder auch wenn wir am Ende des Lebens im Trauergottesdienst Dank für Gelungenes und Klage für Ausgebliebenes vor Gott bringen. Unseren Weg durch die unterschiedlichen Phasen unseres Lebens geht Gott mit uns.

Martin Luther, dessen 500. Jahrestag des Thesenanschlags wir 2017 gedenken, hatte ganz auf seine Kraft gesetzt, um sein Leben als Mönch Gott recht zu machen, bis er merkte: Weder gute Werke noch Gebet noch Fleiß noch sonst eine Anstrengung können bewirken, dass Gott mir gnädig ist. Dann entdeckte er, was die Bibel zu Veränderung sagt: Sie kommt nicht aus unserer eigenen Anstrengung, sondern allein von Gott, wenn wir uns für seine Liebe öffnen. Liebe müssen wir lernen zu empfangen anstatt sie verdienen zu wollen.

In der Jahreslosung beim alttestamentlichen Propheten Ezechiel heißt es für 2017:

Gott spricht: „Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“
Wollen wir das? Ein neues Herz und einen neuen Geist von Gott? Ezechiel stammt aus einer Priesterfamilie und gehört zu den ersten, die von Israel nach Babylon weggeführt werden. Führende Persönlichkeiten suchen seinen Rat. Mit immer neuen Bildern verkündigt er die von Gott aufgetragene Botschaft. Das Volk Israel will diese Worte nicht hören und lehnt sich gegen den Propheten auf. Da hinein kommt Gottes Angebot: „Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“ Von sich aus kann Gottes Volk nicht schaffen, Gott zu erkennen. Er muss ihm eine neue Existenz geben.

So geht es uns auch, dass wir aus uns heraus, Gott nicht erkennen können, sondern nur, wenn er es schenkt. Ich glaube aber, die Jahreslosung mag uns ermutigen, dass Gott in unser Leben tritt und er aus dieser Sicht dann alles neu macht. In dem Bewusstsein lassen Sie uns das neue Jahr 2017 beginnen und vielleicht schon das neue Kirchenjahr ab 1. Advent, gesegnete neue Zeit.

Ihre und Eure Pastorin Elke Marx

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