Es ist kalt, der eisiger Wind weht und durchdringt Mütze, Handschuhe und Jacke. Und wir treffen uns an einem Ort in Hannover, den man wohl eher meidet bzw. eher weitläufig umgeht. Es ist der Hinteraus gang des Bahnhofs auf der Passerellenebene.

Aber hier liegt unser Ziel: Es ist derKontaktladen „Mecki“ – eine niederschwellige Anlauf- und Vermittlungsstelle für Personen in besonderen sozialen Schwierigkeiten, in Trägerschaft des Diakonischen Werks. Er ist als Schutz- und Ruheraum für seine Besucher konzipiert.

An ihn wollen wir unsere Kollekten und Spenden aus den Diakoniekassen unserer Gemeinden Johannes-Matthäus und Gethsemane hingeben. Als wir die Tür zum Ladenlokal öffnen, herrscht drinnen reges Treiben.
Jeder Sitzplatz ist besetzt, viele müssen stehen, ein lautes Gemurmel füllt den Raum aus. Wir drängen uns vor nach hinten bis zum Tresen. Hier gibt es Kaffee, Tee und belegte Brötchen. Für die meisten Besucherinnen und Besucher, die herkommen, ist es die erste Mahlzeit nach der kalten Nacht auf der Straße. Hier kann man sich aufwärmen, soziale Kontakte pflegen, telefonieren und eine medizinische Grundversorgung bekommen.
Ziel der Arbeit ist es, die Besucherinnen und Besucher bei der Sicherung des Lebensunterhaltes zu unterstützen, ihnen Zugang zu sozialen Hilfen zu ermöglichen und bei der Durchsetzung berechtigter Ansprüche zu helfen, aber auch Ausstiegs- und Veränderungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Wir treffen eine Sozialarbeiterin an, die uns in einen Extraraum, die Krankenstation, führt und hinter sich die Schiebetür schließt. Es ist ein bisschen ruhiger und wir können uns ungestört unterhalten. Die Spende ist schnell überreicht und wird freudig entgegen genommen.

Aber was dann folgt, braucht Zeit: Zeit zu hören, und noch mehr Zeit zu verarbeiten. Wir erfahren von der Arbeit mit den wohnungslosen Besuche rinnen und Besuchern. Es sind ei gentlich Menschen wie du und ich, überwiegend Männer. Der Grund für die Obdachlosigkeit sind zumeist Scheidungen: Denn oft sind es die Männer, die die gemeinsame Wohnung verlassen. Und manche von ihnen stürzen dann richtig ab, geraten in die Schuldenfalle. „Viele waren zuvor in ganz normalen, angesehenen Berufen. Sie stammen aus einem gepflegten Elternhaus, manche sogar aus Pastorenfamilien, und haben selbst eine gute Erziehung genossen“, erzählt uns die Sozialarbeiterin.
Wir hören noch viel mehr: über das Sozialsystem, den Alltag und die Herausforderungen für die Wohnungslosen.

Als wir gehen wollen, erhalten wir vom langjährigen Sozialarbeiter des Meckiladens, Joachim Teubner, als Dank eine Weihnachtskarte mit den Unterschriften vieler, die hier täglich hinkommen. Es mögen wohl ca. 70 sein. Hinter jeder Unterschrift, hinter jedem Namen, verbirgt sich eine ganz eigene Geschichte, ein eigener Schicksalsschlag.

Es ist gut, dass es den Mecki-Laden gibt. Er ist ein Lichtblick in der sonst eher dunklen Ecke Hannovers. Und es ist auch gut zu wissen, dass unsere Spende ermöglicht, was schon Jesus sagte.

„Ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben.
Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan,“
(Mt 25, 35a.40b.)
Elke Beutner-Rohloff und Helen Treutle

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