Eine Landpartie: Soweit das Auge reicht - frisches Grün breitet sich aus bis an den Horizont. Leuchtender Löwenzahn streckt seine Köpfe der Sonne entgegen. In der Ferne sehen wir hinter einem Zaun eine Schafherde: grasend, springend - ein schönes und zugleich beruhigendes Bild für die Seele.

Mein Enkel fragt: „Und wo ist der Hirte, der auf die Schafe aufpasst?“ Es ist für ihn undenkbar: Eine Schafherde ohne einen Hirten!

Im Kindergottesdienst hat er das biblische Gleichnis vom „verlorenen Schaf gehört. Ein Schäfer hat unseren Kindergottesdienst besucht, ein drei Tage altes Lämmchen mitgebracht und uns von seiner Arbeit als Tierwirt und Schäfer erzählt: „Schafe haben keinen Orientierungssinn. Für Schafe ist es immer wichtig, dass sie zusammenbleiben - deshalb der Zaun oder der Hütehund. Wenn ein Schaf die Herde verliert, dann ist es verloren. Es findet nicht alleine zurück. Dann braucht es den Hirten, der es sucht, damit er ihm den Weg weist.“

In der Bibel ist so oft von Schafen und von Hirten die Rede. Abraham, Isaak und Jakob waren ebenso Hirten wie Mose, David und einige der Propheten. Jesus sagt von sich: „Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme.“

Immer wieder werden auch wir Menschen in der Bibel mit Schafen verglichen. Mir kommt der Gedanke: Werden wir mit Schafen verglichen, weil wir auch keinen guten Orientierungssinn haben bei so vielen Möglichkeiten in der Welt - die Qual der Wahl fordert uns täglich heraus: Im Kindergarten, in der Schule, im Beruf, in der Familie. Es gibt so viele Wege, die wir beschreiten können, so viele Angebote werden uns gemacht. Doch nicht alle sind gut für uns. Gott hat seinen Sohn Jesus gesandt, um uns den rechten Weg zu zeigen, uns in unserem Leben Orientierung und Halt zu geben. Im täglichen Leben mit seinen Höhen und Tiefen ist es wichtig, dass wir immer wieder einen Wegweiser, Orientierungspunkte, einen Haltegriff für uns entdecken.
So ein Haltegriff ist der 23. Psalm, dem früheren Hirten David zugeschrieben. Darin bekennt er: „Der Herr ist mein Hirte.“

Kaum ein anderer Bibeltext ist vielen Menschen wohl so vertraut, wie der 23. Psalm. Bei Taufen, Trauungen, Beerdigungen sprechen wir ihn. Auch unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden lernen ihn auswendig - heute ebenso wie Generationen vor ihnen: Den Vertrauens-, Kraft-, Trost-psalm, den Lebensbegleiter für alle Situationen - so nennen ihn unsere Konfis. Für sie ist er auch ein Gebet, das sie sprechen können, wenn die eigenen Worte fehlen.
Bei ihrer Aufgabe im Unterricht: „Interpretiert dieses alte Psalmwort mit euren eigenen Worten“, entstanden folgende Verse:

„Gott ist mein Freund, Helfer und Beschützer.
Er gibt mir, was ich zum Leben brauche:
Er sorgt für mich. Er kümmert sich um mich. Er stärkt mich.
Er streichelt mich. Er schenkt mir Freiheit.
Er erfreut meine Seele.
Er führt mich, damit ich ihn nie vergesse.
Auch wenn ich Angst und Trauer spüre, habe ich Vertrauen zu IHM.
In schlechten Zeiten ist Gott bei mir, wenn nichts mehr vor und zurück geht. Auch dann kann ich mich sicher fühlen.
Er tröstet mich. Er zeigt mir gute Orte und schenkt mir Lebenskraft.
Er weist mir einen guten Weg.
Er geht mit mir mit. Er gibt mir Hoffnung.
Gegenüber meinen Feinden schenkt er mir Kraft.
Gott macht mich stabil und mutig.
Er hat immer ein Auge auf mich.
Gott sorgt dafür, dass alle Probleme eine Lösung finden.
Manchmal anders als gedacht. Ich vertraue Gott.
Ich werde immer bei Gott bleiben."

Eine unbelastete und erholsame Sommerzeit wünscht Ihnen und euch

Elke Beutner-Rohloff, Diakonin

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