Festgenagelt

Jesus spricht:
Wer nun mich bekennt vor den Menschen, zu dem will ich mich auch bekennen vor meinem Vater im Himmel. (Mt 10, 32)

Vor knapp 2000 Jahren ließ sich einer festnageln. Jesus von Nazareth, der Christus, der König der Juden, der Sohn Gottes. Er ließ sich festnageln um der Menschen willen. Ganz wortwörtlich, blutig, grausam.

Damit legte Gott sich fest. Er zeigte, dass er den Menschen nahe sein wollte, in ihrer menschlichen Freude und genauso in ihrem Leid. Die Beziehung zwischen Gott und den Menschen veränderte sich: Jesu Tod war ein Bekenntnis Gottes zu uns, zu seiner Schöpfung.
Wenn wir uns heute festnageln lassen, dann meinen wir das nicht in dem wörtlichen Sinne, den Gott für sich beansprucht hat. Aber doch, es verändert etwas, wenn wir uns bekennen. Ein „Ich liebe dich“ kann die Welt, in der du lebst, aus den Angeln heben. Eine warme Hand schiebt sich in deine und lässt dein Herz höher schlagen. Bauchkribbeln, und im Herzen weißt du: „Da will es jemand wirklich mit mir zu tun haben. So, wie ich bin.“ Wenn sich einer zum anderen bekennt, verändert das beide Seiten.

Vor knapp 500 Jahren stand Martin Luther vor seinem weltlichen Richter. Er sollte seine Thesen, seine Lehren, sein Wesen, widerrufen. Seine Antwort: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir, AMEN.“
Er konnte nicht anders, als zu dem zu stehen, was er zuvor gesagt hatte.

Er hatte sich zu Gott und einem neuen Weg der Gottesbeziehung bekannt. Er hat sich festnageln lassen auf das eine. Er hat damit Gott und auch den Menschen in vielfacher Weise standhaft seine Liebe bezeugt.

Worauf lassen wir uns heute noch festnageln? Sich festzulegen ist nicht in Mode. Ein „Ich liebe dich“ geht nicht jedem so leicht über die Lippen.

Und doch, EIN Bekenntnis brauche ich als Christin. Ich brauche den Moment, wenn wir gemeinsam in unseren Kirchen stehen und sprechen: „Ich glaube an Gott, den Vater...“

Eine Liebeserklärung an Gott. Konsequent. Standhaft. Gewiss.
Lassen wir uns festnageln, an dieser Stelle wenigstens.

Immer wieder.
Für uns selbst.
Für die Nächsten.
Für Gott.
AMEN.

Pastorin Nathalie Wolk

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