„Nähe“

Gerade ist das Baby geboren. Es tut seinen ersten Schrei - da wird es auch schon auf den Bauch seiner Mutter gelegt. Und kommt zur Ruhe.

Wer eine Geburt miterlebt hat, weiß, das geht zu Herzen, kommt ganz nah. Wenn das Kind später einmal hinfallen wird - dann wird es vom Vater oder der Mutter in den Arm genommen. Weniger die Worte oder Gesten sind es, als vielmehr die Nähe, die in diesem Moment trösten.

Später im Laufe der Jahre machen wir die Erfahrung, dass Nähe nicht immer nur gut für uns ist. Wir werden verletzt durch Menschen, die uns nahe stehen - und wir lernen eine Balance anzustreben, zwischen Nähe auf der einen und Distanz auf der anderen Seite.

Doch tief drinnen im Herzen lebt die Sehnsucht weiter. Die Sehnsucht nach Nähe, danach, dass einer die Di¬stanz durchbricht und mir ganz nahe kommt, ich mich geborgen fühle - und nicht gleich wieder Mauern hochziehen muss, um mich gegen Verletzungen zu schützen.

Gerade haben wir davon gehört, dass Gott uns ganz nahe kommt, im Kind in der Krippe. Gerade haben wir uns ansprechen lassen - haben unserer Sehnsucht nach Geborgenheit nachgespürt. Weihnachten.
Und schon gehen wir weiter. Ostern steht vor der Tür. Und das Kind ist zum Mann geworden. Und gerade, weil dieser Mann den Menschen so nahe kommt mit seinen Worten und Taten der Liebe und des Friedens, weil er sich mit der Distanz zwischen uns nicht abfinden will, ist er gefährlich, stellt er so viel in Frage, dass er weg muss, aus der Welt geschafft werden, getötet.

Gott kommt uns Menschen ganz nah, im Kind in der Krippe feiern wir es. Gott kommt uns ganz nah in Christus, dem Mann, der uns von Gottes Liebe erzählt und sie in unsere Herzen streuen will. Wie ein sehr, sehr guter Freund kommt er uns nah - können wir das aushalten? Lassen wir die Nähe zu oder müssen wir auf Distanz gehen?

Und wie bei einer guten Freundschaft ist es keine Einbahnstraße. Aus der erfahrenen Nähe erwächst weitere. Das Herz läuft über.

Monatsspruch Februar 2018 Es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.

(5. Mo 30,14)


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