„Du bist mein Schutzengel!“

Mit dem Fahrrad bin ich unterwegs. Fahre gemütlich durch die Feldmark. Dann komme ich in ein Dorf und vor der Kirche weht ein Transparent im Wind. Als ich aufblicke sehe ich: Du bist mein Schutzengel!

Nur diese Worte. Alles andere nehme ich nicht wahr. Du bist mein Schutzengel!

Merkwürdig, denke ich, wieso ich? Schutzengel, das sind doch andere, eigentlich doch auch andere Wesen, die sich um mich und andere kümmern. „Da hat mein Schutzengel seine Hand über mir gehalten“, sagen manche.

Wieso ich?

Ich denke an all die Tauffamilien, die sich genau solch einen schützenden Engel für ihr Kind wünschen und deshalb den Taufspruch aus den Psalmen wählen: Der Herr hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.

Ich denke an den Spruch für alle, die mit dem Auto in den Urlaub fahren und am Lenkrad sitzen: Fahr nur so schnell wie dein Schutzengel fliegen kann!

Alles richtig, und doch auch wieder nicht, das scheint nicht gemeint zu sein.
Denn: Ich fühl mich angesprochen: Dieses „Du“ trifft mich. Ich fühle mich herausgefordert.

Einen Tag später fahre ich mit dem Auto am Transparent vorbei. Du bist mein Schutzengel – lese ich und wei¬ter: Kirchen retten und Schutzengel werden! Na, den Zusammenhang habe ich nicht erwartet.
Zwei Tage später fotografiere ich das Transparent. Ich denke, das ist doch ein guter Aufhänger für die Andacht im Gemeindebrief, gewissermaßen als Einstieg in die Urlaubszeit.

Für wen könnte ich mich als Engel im Urlaub entpuppen? Und was müsste ich dafür tun?
Hinhören, aufmerksam sein? Ganz da sein und nicht halb noch im Gestern und halb schon im Morgen! Die kleinen, besonderen Momente feiern! Und daran denken, dass ich nur so schnell fahre, wie mein Schutzengel fliegen kann.

Pastor Ulrich Pehle-Oesterreich

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