Jahreslosung

Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen
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Mit der Feier des 1. Advent haben wir ein neues Kirchenjahr begonnen. In wenigen Wochen geht das Kalenderjahr zu Ende. Zäsuren, an denen wir uns Fragen stel­len: Was war gut? Was wird das Neue bringen?

In all diese Fragen hinein glauben Christ*innen, dass Gott ihnen beisteht und ein Wort mit auf den Weg gibt. So ein Wort der Bibel ist die Jahreslosung jeden Jahres. 2022 stammt sie im Neuen Testament aus dem Johannesevangelium:

Jesus Christus spricht:
„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“

„Draußen vor der Tür“, heißt das Theaterstück, das Wolfgang Borchert im Herbst 1946 geschrieben hat. Ein junger Mann namens Beckmann kehrt zurück nach Deutschland. Beckmann war im 2. Weltkrieg Soldat, dann in russischer Ge­fan­gen­schaft. Von alledem schwer gezeichnet, findet Beckmann nicht mehr in sein altes Leben zurück, weil er überall abgewiesen wird. Er bleibt draußen vor der Tür, wo er stirbt, ohne Wärme, ohne Antwort.

Das Gefühl, nach vielen Jahren vor der Tür zu stehen, traf Kriegsgefangene mit bewegenden Geschichten insbesondere. Das Gefühl, vor einer Tür zu stehen und nicht zu wissen, wer einen wie empfängt, kennen wir aber alle. Unzählige Tür­momente erleben wir im Laufe unseres Lebens, überraschend gute und un­ge­heuer be­las­tende.
Insofern bin ich froh, dankbar und gewiss, dass ich zu Gott kommen kann, wie ich bin – auch mit meinen Problemen und Sorgen, und seine Tür sich immer öffnet.

Im Bild von Stephanie Bahlinger liegt Geheimnisvolles: Eine geöffnete Tür, ich kann nicht erkennen, wer dahinter wartet, meine Neugier durch die Tür sieht aber Brot und Wein auf dem Tisch. Wie wir im Abendmahl Brot und Wein aufnehmen, so möchte Jesus in unseren Herzen aufgenommen werden, und uns schon hier und jetzt nahe sein, denn wer zu ihm kommt, den wird er nicht abweisen. Mit dieser Gewissheit dürfen wir durch das Jahr 2022 gehen.

Pastorin Elke Marx

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