„Womit sollen wir Gottes Reich vergleichen?“, fragte Jesus. „Welches Bild könnte euch helfen, es zu verstehen? Mit Gottes Reich ist es wie mit einem Senfkorn, das auf ein Feld gesät wird. Es ist zwar das kleinste von allen Samenkörnern. Wenn es aber in die Erde kommt, wächst es schnell heran und wird größer als die anderen Gartenpflanzen. Ja, es wird zu einem Strauch mit so ausladenden Zweigen, dass die Vögel in seinem Schatten ihre Nester bauen können.“

(Markus 4, 30-32)

Bilder: Ein Same, in die Erde gelegt. Zwei Blätter, die aus der Erde hervorbrechen. Eine größere Pflanze mit einigen Blättern, etwas höher gewachsen als auf dem Bild davor. Zum Schluss eine ausgewachsene Pflanze, mit Blüten und großen Blättern.

Diese Bilder stammen von einer Lehrerin. Sie lebt in Hannover. Mit viel Herz steht sie ein für die Bedürfnisse von Kindern im Schulsystem, findet Wege für die Kommunikation zwischen Lehrkräften und Eltern. Hat tausend Ideen, wie Bindung entstehen, wie Beziehung gepflegt werden kann. Vor einiger Zeit hatte sie einen Vorschlag für einen ziemlich normalen Vorgang im Unterrichtsgeschehen: Die Rückmeldung. Oft nutzen Lehrkräfte dafür Smileys, Daumen, die nach oben oder unten zeigen, oder Ampelsysteme.

Die Lehrerin, die auf Instagram aktiv ist, schlägt stattdessen vor: Nehmt Bilder vom Wachstumsverlauf einer Pflanze!
Und sie schreibt: Eine Pflanze als Feedbacksymbol macht den Horizont weit. Denn es geht in der Entwicklung der Kinder vor allem darum: Potenziale zu erkennen, sie zu bestärken und zu motivieren. Das Bild der Pflanze hilft den Kindern, zu verstehen, an welchem Punkt in der Entwicklung sie sind, ohne sie darauf festzulegen. Sondern so, dass das Kind sieht: Ich werde gesehen, mit all meinen Entwicklungsschritten.

Eigentlich, stelle ich fest, tut dieser Gedanke mir auch gut. Einander auf diese Weise zurückzugeben, wie wir uns sehen, klingt verlockend. Wir müssten uns genau anschauen. Ohne vorschnelle Urteile. Sondern mit wachem Blick: Wir sehen uns an und nehmen Veränderungen wahr. Bleiben hartnäckig im Gespräch. Über die Fortschritte, die Rückschritte, die Entwicklung. In den Lernfeldern dieses Lebens…

Und ich stelle mir vor, wie Gott als Gärtnerin all ihre Menschenpflanzen im Blick behält. Und Gott weiß ganz genau, welche Samen in dir gelegt sind, an welchen Stellen dir Ideen keimen, welche Eigenschaften schon zur vollen Blüte gekommen sind…

Und dann ist da noch dieses eine Samenkorn, das in diese Welt gesät ist. Dieses Samenkorn, das Gottes Wort unter uns Menschen wachsen lässt. Es darf wachsen, auch in dir und durch dich. Das Einzige, was uns dabei zu tun bleibt, ist das: Zu vertrauen. Auf Gott, der uns so sieht, wie wir sind. Und wachsen lässt, was wachsen soll.

Ihre Pastorin Nathalie Wolk

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